Du bist Terrorist

Werbeagentur kann über eine Satire nicht lachen

 

„Du hast Mutter und Vater – brauchst doch das ganze Land um glücklich aufzuwachsen. Du bis nicht allein." Nein, nicht Hedwig Kurz Maler hat diese Sätze erdacht, sondern eine Werbeagentur namens Kempertrautmann. Sie hat die Imagekampagne „Du bist Deutschland“ verzapft, mit der die Bundesregierung die Gebärfreudigkeit der Deutschen anregen will.

Ein richtiger Aufreger dagegen ist die Methode, mit der die Agentur einem Designstudenten den Mund verbieten will. Alexander Lehmann hat als Abschlussarbeit im Fach Virtual Design an der Fachhochschule Kaiserslautern ein Video produziert. Es ist eine bittere Satire, die unter dem Slogan „Du bist Terrortist" anprangert an, dass deutsche Sicherheitsbehörden offenbar in jedem Bundesbürger einen potenziellen Terroristen sehen. Weil der Animationsfilm nicht nur das lückenlose Überwachungsszenario des Staates aufs Korn nimmt, sondern sich auch noch an die Aufmachung und den Slogan von „Du bist Deutschland“ anlehnt, ärgert offensichtlich die Werbeagentur. Statt sich selbst Nachwuchsfreundlich zu geben, zeigte man sich dort humorlos und schickte dem Studenten eine Abmahnung ins Haus.

Der „Liebe Herr Lehmann“, solle doch „sämtliche Bezüge“ zu der „Du bist Deutschland“ Kampagne löschen und die Domain DubistTerrorist.de nicht mehr verwenden. Untermauert wurde die juristische Keule mit der handfesten Drohung: „Sollten Sie meinen Bitten nicht innerhalb der nächsten 3 Tage nachkommen, werden unsere Auftraggeber den Rechtsweg einschlagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann Kosten auf Sie zukommen ist groß.“

 

Du bist Terrorist from alexanderlehmann on Vimeo.

Ausgerechnet zum Feiertag des Grundgesetzes kam diese Attacke im Internet überhaupt nicht gut an: „Du bist peinlich“ hieß es in der Kritik von Bloggern und: „Das ist ein nicht akzeptabler Versuch, Meinungsfreiheit zu beschränken." Darauf hin merkte die Werbeagentur dann plötzlich dass doch alles nur auf „Missverständnissen“ beruht. Es gehe ihnen eigentlich nur um die Persönlichkeitsrechte der armen Kinder, die für ihre ursprüngliche Kampagne werben und von Alexander Lehmann als Hintergrundfoto mit übernommen wurden. Nach einem Telefonat verzichtet die Agentur auf juristische Schritte und der Designstudent legte Unschärfen über das Hintergrundfoto. Keine Rede mehr von verletzten Markenrechten. Schließlich ist „Du bist ...“ allgemein auch nicht schützbar. Oder will Kempertrautmann jetzt auch noch „Du bist doof" für sich reklamieren?


Eingestellt von Manfred Scharnberg in