G+J Beiräte wenden sich gegen Sparpolitik

Offener Brief sorgt für Aufregung

 

In einem offenen Brief kritisieren die Beiräte von Stern, Geo und Brigitte den Sparkurs von G+J-Chef Bernd Buchholz heftig. Sie schrieben: Wir „machen uns große Sorgen um die Zukunft des Verlags und seine Blätter“. Denn es ginge dem Vorstand „um nichts anders als ums Sparen." Die Krise sei dabei nur ein Vorwand für lange geplante Kürzungen. „Das empört die Redakteure gerade dort, wo die einzelnen Redaktionen schwarze Zahlen schreiben. Das irritiert aber auch alle anderen Redakteure, weil der Verlag ja insgesamt schwarze Zahlen schreibt. Nur über Abschreibungen und Wertberichtigungen gerät er ins Minus.“, schreiben die Beiräte.

Sie vermissen auch eine Zukunftsperspektive in der Verlagspolitik und vermuten hinter dem Schrumpfungsprozess persönliche Ziele: „Arbeitsplätze abzubauen und Kosten zu senken, ist in anderen Worten womöglich weniger Zukunftssicherung für den Verlag als Arbeitsplatzsicherung für den Vorstand."

Buchholz wies die Kritik zurück und soll sie als „ehrabschneidend und damit beleidigend“ bezeichnet haben. Der Vorstand erwarte die „ schriftliche oder persönliche Entschuldigung“ der Beiräte. MEEDIA zitiert dies aus einem internen Antwortschreiben von Buchholz, das ihnen vorliegen soll. Danach drohe er, dass durch das Schreiben der Boden für einen „kritisch-konstruktiven Dialog“ entzogen sei.

Einige Chefredakteure distanzierten sich von dem Schreiben der Beiräte. So hätte Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede die interne Angelegenheit lieber nicht in der Öffentlichkeit diskutiert. Die Brigitte-Chefredakteure Andreas Lebert und Brigitte Huber erklärten dem Branchendienst horizont.net, dass sie keine Kenntnis von dem Brief hatten. Zitat: „Wäre dies der Fall gewesen, hätten wir unseren Kolleginnen und Kollegen empfohlen, ihr Anliegen in einem anderen Ton vorzubringen".

War der Ton angebracht? Urteilen Sie selbst. Hier ist der Brief der Beiräte in seinem Wortlaut:

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Sehr geehrter Herr Buchholz,

wir – die Beiräte von Brigitte, Geo, Geo-Saison und Stern – machen uns große Sorgen um die Zukunft des Verlages und seiner Blätter. Wir erleben jeden Tag, wie groß die Angst in den Redaktionen ist. Um den Arbeitsplatz, um die Arbeitsbedingungen. Schon jetzt ächzen viele unter dem Mehr an Arbeit, das sie leisten müssen. Und sie tun ihre Arbeit klaglos in der Hoffnung, damit etwas für ihre eigene Zukunft wie für die Zukunft des Blattes zu leisten, bei dem sie arbeiten.

Zugleich sehen viele Redakteure voller Sorge, dass etwa eine Zeitschrift wie Schöner Wohnen 17 Stellen verliert. Und sie fragen sich, ob der Verlag die Krise des Zeitschriften- und Anzeigenmarktes im Augenblick nutzt, um zu erreichen, was schon lange geplant ist: die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen der angestellten Redakteure zu verschlechtern.
Das empört die Redakteure gerade dort, wo die einzelnen Redaktionen schwarze Zahlen schreiben. Das irritiert aber auch alle anderen Redakteure, weil wer Verlag ja insgesamt schwarze Zahlen schreibt. Nur über Abschreibungen und Wertberichtungen gerät er ins Minus.

Wir vermuten dahinter vor allem zwei Gründe: Erstens steht der Vorstand unter immensen Druck, die vom Mehrheitseigner Bertelsmann geforderten Gewinne zu erzielen und auch abzuliefern. Nur wenn dem Vorstand das gelingt, ist er vor den Anteilseignern legitimiert. Arbeitsplätze abzubauen und Kosten zu senken ist mit anderen Worten womöglich weniger Zukunftssicherung für den Verlag als Arbeitsplatzsicherung für den Vorstand.

Zugleich hat der Vorstand allem Anschein nach jedes Vertrauen in die Stärke seiner Print- Produkte verloren. Auch ohne eine Internet-Strategie zu haben, mit der sich Geld verdienen ließe, geht es ihm um nichts anderes als ums Sparen.
Das halten wir für bedenklich. Denn statt die Krise zu nutzen, um die Marken zu stärken und journalistisch so auszustatten, dass die Zeitschriften in ihrem jeweiligen Segment Spitze sind oder bleiben, werden selbst jene Marken geschwächt, die heute das Geld verdienen.

Wir glauben, dass ein langfristiger Erfolg für ein Unternehmen wir Gruner+Jahr nur garantiert ist, wenn man kurzfristig mit den Anteilseignern darüber redet, dass ihre Rendite- Erwartungen in einem mittlerweile so reifen Markt wie dem deutschen Zeitschriften-Markt unrealistisch sind. Und dass nur gut ausgestattete Redaktionen eine Chance haben, auf einem so schwierigen Markt zu bestehen. Das gilt erst recht in Zeiten einer großen Wirtschaftskrise.

Das zu vertreten, hielten wir für eine Aufgabe, die eines Vorstandes würdig wäre.

Die Beiräte von Brigitte, Geo, Geo Saison und Stern.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in