Godzilla und das kristallklare Ölleck

Über die Öffentlichkeitsarbeit von BP

 

„BP ist offensichtlich nicht geschickter beim Bilder-Manipulieren als beim Stopfen von Tiefsee-Öllecks“, so kommentiert die Washington Post das aktuelle Desaster des Ölkonzerns bei seiner Öffentlichkeitsarbeit. Mehrfach gab BP in letzter Zeit PR-Bilder im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe heraus, die manipuliert wurden. So dilettantisch ausgeführt, dass sie jedem Fotografen ein müdes Lächeln entlocken.

Das erste, von americablog.com entdeckte Foto zeigt Männer vor riesigen Monitoren in einer Leitzentrale von BP. Den Bloggern fielen die enormen handwerklichen Fehler auf, die entstanden waren, als man im Originalbild leere Bildschirme durch Monitorbilder ersetzte. Diese Bilddetails wurden so grobschlächtig eingesetzt, dass weiße Kanten blieben und runde Köpfe zu eckigen wurden.


So sah das BP-Foto im Original aus


Und hier das manipulierte PR-Bild


Detail des veränderten Fotos

Das Foto ist nach der Kritik von der BP-Website verschwunden. Erstaunlich ist, dass dies wieder einmal ein Fall sein soll, bei dem die Bildmanipulationen nicht mit Absicht vorgenommen wurden. Das passiert offensichtlich immer nur aus Versehen. Regelrecht peinlich ist, dass das aktuell zum Ölleck veröffentlichte Foto das Aufnahmedatum vom März 2001 trägt. Da scheut also ein Konzern nicht davor zurück, zu einer akuten Katastrophe ein fast zehn Jahre altes Bild zu publizieren. Mehr noch: als die Manipulation herauskommt, behauptet der Konzern, das sei ein Ausrutscher, da der BP-Fotograf lediglich seine Photoshop-Kenntnisse unter Beweis stellen wollte. Wenig glaubhaft, da einem professionellen Fotografen derartiger Dilettantismus kaum zuzutrauen ist, zumal es sich um ein uraltes Foto handelt, das der Fotograf Jahre später verändert haben soll.

Gegen die Fotografenschuld spricht auch eine ähnlich grausame Bildbearbeitung eines anderen Motivs, das als zweite Manipulation aufgespürt wurde. Wieder ein Krisenstab, dem ein Monitorbild in die Köpfe frisiert wurde.


So sah das BP-Foto im Original aus (Ausschnitt).


Und hier das manipulierte PR-Bild


Detail des veränderten Fotos

Den Vogel schossen die PR Strategen von BP mit einem Hubschrauberbild ab. Das Originalfoto zeigt den Blick aus dem Cockpit einer Maschine, die auf der Landeplattform eines Schiffes steht. Das war den BP-lern (oder sagt man BPisten?) wohl nicht genug Action. So retuschierte man die Plattform hinfort, um den Eindruck zu erzeugen, der Hubschrauber sei in der Luft und fliege gerade auf die Unglückstelle zu. Dummerweise übersahen die glorreichen Retuscheure, dass in dem linken und rechten oberen Fenstern noch Aufbauten des Schiffes durch das Fenster lugten. Zudem können Kenner auf den Anzeigeinstrumenten erkennen, dass sich der Hubschrauber am Boden befindet.


So sah das BP-Foto im Original aus


Und hier das manipulierte PR-Bild

So ganz nebenbei haben die BP-Photoshop-Experten gleich noch die Farbe des Wassers verändert – schön blau und sauber. Vielleicht als „Beweis“, dass das Ölleck Trinkwasserqualität hat. Wahrscheinlich passierte das auch versehentlich.

Das gestörte Verhältnis des Ölkonzerns zur Realität brachte nicht nur die Gemüter unzähliger Konsumenten in Wallung, sondern aktivierte auch ihre Fantasie. In zahlreichen eigenen Bearbeitungen der BP-Bilder machen sie sich über die BP-Öffentlichkeitsarbeit lustig. So startete Wired den Online-Kurs „Zeigt BP wie man Photoshop nutzt". Die Ergebnisse präsentieren den Krisenstab beim Kartenlegen oder den Hubschrauber beim Anflug auf ein Raumschiff. Alles um Klassen besser als die schöne Spielzeugwelt von BP.


„bazookaman“ kreierte ein Bild, bei dem BP nicht gegen ein lächerliches Leck kämpft, sondern von "Godzilla" bedroht wird.


Der Hubschrauber von „Ferroluid“ steuert auf das Inferno einer brennenden Großstadt zu, die Besucher mit einem BP-Schild willkommen heißt.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in