Haiti mit Kamera und Schaufel?
Hajo Schumacher verkommentiert sich
„Das Gruseligste an den Bildern aus Haiti ist der gelegentliche Eindruck, das manche Fotografen oder Kameraleute ganz offenbar lieber menschliches Leid festhalten, als einfach mal eine helfende Hand zu reichen und einen Verletzten aus den Trümmern zu ziehen", so leitet Dr. Hajo Schumacher seinen Kommentar in dem Medienmagazin „V.i.S.d.P“ ein. Und er unterstellt den „Kamerakünstlern“ wie er sie nennt, dass ihnen „die Aussicht auf den World Press Award bisweilen wichtiger zu sein scheint als der Reflex, einem Menschen aus höchster Not zu helfen.“
Woher nimmt er diese Behauptung? Am Fachwissen kann es nicht liegen. Hajo Schumacher, der Journalistik, Politikwissenschaft und Psychologie studiert hat, machte sich nicht gerade mit Krisenberichterstattung einen Namen. Zwar hat der Herausgeber von „V.i.S.d.P“ als Spiegel-Redakteur und Chefredakteur der Zeitschrift Max gearbeitet, aber laut Wikipedia kümmert er sich um die wichtigen Dinge des Lebens: „Unter dem Pseudonym Achim Achilles schreibt Schumacher launige und ironische Kolumnen bei Spiegel Online über Läufer, Walker und die Eigenheiten vieler Hobbysportler."
Auch mit seiner Dissertation „Machtphysik. Führungsstrategien der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel im innerparteilichen Machtgeflecht 2000 – 2004“ konnte er früher einmal glänzen. Aber ob er jemals als Trümmermann tätig war, ist fraglich. Wahrscheinlicher ist die Möglichkeit, dass er beim Joggen im Park mal einer Kröte über den Weg geholfen hat.
Hier ist der ganze Kommentar:
Screenshot © „V.i.S.d.P“
Ein Rätsel ist es, warum Schumacher ausgerechnet nur auf die optischen Berichterstatter abhebt? Offenbar scheinen schreibende Journalisten, Radio- und Fernsehreporter nicht vor Ort zu sein. Oder traut er es den Menschen des Wortes etwa nicht zu, auch Taten folgen zu lassen?
Natürlich, das Thema „helfen oder fotografieren“ ist ein durchaus diskutierenswertes. Es ist aber auch ein Thema, das Jeden, der in solch dramatische Situationen kommt, intensiv beschäftigt. Ein innerer Kampf, den jeder mit sich selbst ausmachen muss. Aber Fotografen als skrupellose Bilderjäger abzustempeln, geht an der Realität vorbei.
Da trifft die Mahnung von Rihanna und Wyclef Jean, die Erdbebenopfern helfen, schon eher ins Schwarze: „Die Menschen auf Haiti haben mir gesagt, als ich dort gewesen bin, was ich hier sagen soll: ‘Hört mit den Fotos auf. Haiti braucht keine Fotografen mehr. ‘Wir brauchen logistische Hilfe. Wir brauchen Leute, die zum Flughafen kommen und die Sachen zu den Leuten bringen” sagte Wyclef Jean in der Show von Oprah Winfrey.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
