Hat die „Bunte“ die Fotohonorare erhöht?

Im Zuge von Recherchevorwürfen werden Traumhonorare genannt

 

Zwar haben es die Fotografen noch nicht auf ihren Konten gespürt, aber wenn man die Nachrichten aufmerksam liest, hat es den Anschein als ob die Bunte ihre Fotohonorare drastisch erhöht habe. Das muss man jedenfalls aus den Honoraren schließen, die das Münchner Promimagazin der Agentur CMK für Fotos und Recherchen gezahlt haben soll. Wie der Stern berichtet, gehe aus Unterlagen der CMK-Buchhaltung hervor, dass das Berliner Unternehmen dem Bunte Entertainment Verlag allein im Jahr 2008 rund 242.000 Euro für Aufträge und Honorare abgerechnet habe.

Es geht dabei um das Sammeln von Material aus dem Privatleben der Politiker Franz Müntefering, Oskar Lafontaine und Horst Seehofer. Dabei sind laut Stern angeblich detektivische Methoden angewandt worden. Wohnsitze sollen observiert, ein Briefkasten manipuliert und unter der Fußmatte von Müntefering ein Bewegungsmelder versteckt worden sein. Die CMK Group behauptet dagegen, dass man journalistisch sauber gearbeitet habe und die im Stern abgebildeten Unterlagen „weder inhaltlich noch bezüglich Schrift und Layout" den üblichen Unterlagen ihres Hauses entsprechen würden. Sie distanziert sich vom Vorwurf der Anwendung widerrechtlicher Arbeitsmethoden.

Bunte Chefredakteurin Patricia Riekel rechtfertigete die Zusammenarbeit mit der CMK Group, deren „Investigative Reporting Service“ auf der Website „Verlagsdienstleistung auf höchstem Niveau“ verspricht. Auf die Frage in einem Interview von Deutschland Radio: „Was bedeutet das, Frau Riekel, ganz konkret, Recherche-Aufträge, Fotorecherche-Aufträge im Zeitalter der Paparazzi?" antwortete sie: „Ja, eine schöne Frage. - Es ist so, dass die Redaktionen alle geschrumpft sind. Die meisten Redaktionen haben keine eigenen Fotografen mehr. Wir sind also immer gezwungen, wenn wir fotografische Recherchen oder Aufträge haben, Freelancer einzusetzen. Das ist gang und gäbe bei allen Redaktionen. Keiner kann sich mehr leider einen Stab von Fotografen leisten.“ Und weiter sagte Patricia Riekel: „In dem Fall ging es um Informationen von drei Politikern, deren Privatleben durchaus auch Auswirkungen auf das Leben der Öffentlichkeit haben kann, und im erlaubten Maß haben wir versucht, die Informationen zu verifizieren und auch mit Fotos dies zu belegen.“

Dennoch: Völlig egal ob nun mit Spionage- oder Journalisten-Handwerkszeug gearbeitet wurde – es ist möglicherweise eine Menge Geld geflossen. Und da es sich bei den Aufträgen laut Bunte völlig normal „um eine journalistische Fotorecherche“ gehandelt habe, kann man darauf schließen, dass der Münchner Verlag seine Fotohonorare kräftig erhöht hat. Denn laut Riekels Aussagen gegenüber Deutschland Radio sei Seehofer nur „einen einzigen Tag von unserem Fotografen beobachtet worden.“ Im Fall von Lafontaine habe die Recherche zwei Wochen gedauert. Zum Aufwand bei Müntefering hat sie sich nicht geäußert.

Dem stehen das bereits genannte Honorar von rund 242.000 Euro für das Jahr 2008, sowie 30.987 Euro für die ersten drei Monate 2009 gegenüber. Diese Summen wurden bislang weder von der Bunten noch von der CMK dementiert.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in