Klaute Bild das Sarrazin Interview? [UPDATE]

Diekmann ist mit Schadensersatzforderungen konfrontiert

 

UPDATE:
Die Zeitschrft Lettre hat inzwischen gegen die Bild-Zeitung eine Gegendarstellung erwirkt. Diese wird wahrscheinlich aber in Kai Diekmanns Blog oder in Bild nicht erscheinen. Denn der Springer-Verlag  bot einen Vergleich an. Mit der Zahlung von 30.000 Euro soll Lettre die Forderung nach einer Gegendarstellung und auf Schadensersatz einstellen. Wie der taz zu entnehmen ist, teilte Lettre-Chefredakteur Frank Berberich mit, dass Lettre diesen Vergleichsvorschlag annehmen werde.

 

„Es kann nicht sein, dass die Einen für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die Anderen sie kostenlos kopieren und vermarkten“, erklärte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, der FAZ gegenüber. Richtig. Gilt das auch für das eigene Verlagshaus? Wenn man die Praxis bei Bild anschaut, scheint man bei Springer mit zweierlei Maß zu messen. Das Online-Portal der Zeitung mit den vier großen Buchstaben sieht sich nämlich Schadensersatzforderungen gegenüber: wegen angeblich kostenloser – und damit illegaler – Verwendung fremder Inhalte.

Dabei handelt es sich um das brisante Interview der Kulturzeitschrift Lettre International mit Thilo Sarrazin, das ein enormes Medienecho hervorgerufen hat. Die Redaktion stellte den Text aber nicht ins Internet. Das erledigte Bild.de, komplett mit sämtlichen 60.000 Zeichen auf fünf voll beschriebenen Seiten. Und das „gegen den mehrfach geäußerten negativen Willen“, wie Lettre-Chefredakteur Frank Berberich betont. Zusätzlich wurden in der Printausgabe von Bild einige Passagen zitiert.

Der Verlag erhebt nun Schadenersatzforderungen gegen Bild wegen Urheberrechtsverletzung. „Wir können dieses Vorgehen von Bild nicht hinnehmen, das ist der Haltung nach Machtarroganz und wirtschaftlich gesehen schlichter Diebstahl. Unsere ökonomischen Interessen wurden erheblich verletzt“, so Berberich gegenüber Kress.

Bild bekam eine Einstweilige Verfügung ins Haus und musste das Interview entfernen. Ihr Chefredakteur Kai Diekmann beteuerte daraufhin auf seinem Blog, Bild habe den Text mit Erlaubnis veröffentlicht. Dies belegte er mit einem Fax, das von Lettre an Bild geschickt worden sei. Angeblich sei das eine Genehmigung zur Veröffentlichung „mit Nennung der Quelle: Lettre International“. 

Lettre setzt sich gegen diese Behauptungen mit einer Aufforderung zum Abdruck einer Gegendarstellung zur Wehr, hat nach Angaben von Kress offenbar beim Landgericht Berlin eine Unterlassungserklärung erwirkt. Das Argument von Lettre: Diekmann habe einen eigenen Artikel über Sarrazin schreiben wollen, wozu er das Interview haben wollte. „Allein zu diesem Zweck“ sei Diekmann das Fax geschickt worden, also zum Zweck Passagen zu zitieren, aber nicht alles komplett zu übernehmen, so Lettre.

Inzwischen findet man auf dem Diekmann-Blog Folgendes:
„+++ Hier stand ein Absatz, den wir aus rechtlichen Gründen nicht mehr veröffentlichen dürfen (raten Sie, wer das erwirkt hat…) +++“


Eingestellt von Manfred Scharnberg in