Occupy Media
Eine Bewegung traut den herkömmlichen Medien nicht – und macht seine eigenen
Heute konnte man live verfolgen, wie das Protestcamp der Occupy-Bewegung in Washington DC von Polizeitrupps heimgesucht wurde, die im Park des McPherson Square systematisch Bilder von Protestlern und Zelten aufnahmen. Sie wurden ständig verfolgt mit der Kamera von „OCCUPY DC“, die die Bilder per Livestream im Internet in die weite Welt übertrugen.

LIvestream der nächtlichen Polizeiaktion auf dem McPherson Square Washington.
Ähnlich ergeht es auch den Presseleuten. Wenn konventionelle Medien Interviews im Occupy-Camp drehen, dann läuft meist auch eine Kamera der Protestbewegung mit. Bei Occupy Wall Street misstrauen Viele den professionellen Presseleuten. Daher nutzen sie die eigenen Bilder, um Manipulationen entgegentreten zu können. Die zweiundzwanzigjährige Afroamerikanerin Corryn Freeman sagte der taz: „Die Mainstreammedien verfolgen ihre eigenen politischen Ziele, sie sind tendenziös. Und sie veröffentlichen nur, was ihnen in den Kram passt."

„Medienzentrum“ der Occupy-Bewegung. © David Shankbone
Auch die Medienlandschaft wird besetzt. Nicht nur in Washington, sondern auch in New York treffen sich Kameraleute und Fotografen an Tischen mit Laptops, um die Nachrichten selbst zu machen. Das Schild „Media“ darf dabei nicht fehlen. Wie man per Lifestream sehen kann, arbeiten sie rund um die Uhr, als Opposition gegen die Mainstream Medien, die wochenlang über die Aktionen vor der Börse schwiegen. Erst als die Polizei 80 Personen festnahm und Pfefferspray versprühte, berichteten sie.
Die Nachrichten der Occupy-Bewegung haben es in sich. In ihren Internetkanälen wie occupywallst.org, occupydc.org, occupyoakland.org und october2011.org kann man verfolgen, wie Protestler in eine Bank eindringen und den Angestellten vorwerfen, sie würden sich auf Kosten der Mehrheit bereichern und dies ohne Steuern zu bezahlen. Oder man verfolgt eine Aktion am Eingang einer Bank, bei der die Bankkunden aufgefordert werden, ihr Geld abzuziehen und in einem anderen gemeinnützigen oder regionalen Geldinstitut zu deponieren.

Hausfrauen stürmen eine Bank und nehmen sich die anwesenden Banker zur Brust.
Neben selbst produzierten Filmen und Radioreportagen – und natürlich zahllosen Twitter-Beiträgen – hat die Occupy-Bewegung inzwischen auch eine Zeitung in Englisch und Spanisch herausgebracht. Das gratis verteilte „Occupied Wall Street Journal“ gibt es hier als Download. Das Blatt finanzierte sich über die Crowdfunding Plattform Kickstarter. Mit 75.690 Dollar Spenden war die erste Ausgabe überfinanziert. Doch es wird weiter gesammelt – die Medienarbeit der Gruppe soll wachsen. Als Argumentation für eine selbstbestimmte Medienpolitik hat die Occupy Wall Street Bewegung mit dem Trailer ein gutes Beispiel geliefert. Hier ist er zu sehen:
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
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| Anhang | |
|---|---|
| OCCUPY_JOURNAL_KL.pdf |

