Bildmanipulation oder Illustration?
Fragen zur Kennzeichnung von Fotomontagen
„Wir brauchen sie“ schreibt das SZ Magazin, und meint damit Kindermädchen aus armen Ländern, die in Deutschland arbeiten. Der Artikel macht mit zwei Fotos auf, die in großen Bildanteilen identisch sind. Brauchen wir Sie – die Kennzeichnung dieser Fotos als Bildmanipulation? Fragt sich dabei der fotografisch ausgebildete Leser. Denn mit Sicherheit ist mindestens eines der Bilder eine Fotomontage, was nicht angegeben ist.
Hier die aufeinander folgenden Doppelseitenfotos aus dem SZ Magazin vom 15. Oktober 2010:


Doppelseiten aus dem SZ Magazin. Beide: © Robert Brembeck
Weil die Motive im journalistischen Zusammenhang stehen, wäre ein Hinweis angebracht, der dem Leser verdeutlicht, dass die Fotos keine dokumentarischen Bilder sind, sondern gut gemachte Illustrationen, die dokumentarisch daherkommen. Die Aufnahmen von Robert Brembeck verdeutlichen das Thema sehr gut: Was wäre, wenn wir solche Nannys nicht hätten? Dahinter steht eine Idee, ein visuelles Konzept. Dieses Konzept ist eigentlich klar ersichtlich. Zumindest die SZ-Leser sollten damit keine Schwierigkeiten haben. Denn wenn man die Seiten umschlägt, verändern sich ausschließlich die abgebildeten Personen, ähnlich wie bei einem Daumenkino.
Dennoch bleiben bei solchen Grenzfällen zwischen Dokumentar- und Konzeptfotografie Fragen: Sollten solche Bildmanipulationen klar gekennzeichnet werden? Sind Leser in der Lage, derartige visuelle Konzepte differenziert zu betrachten? Akzeptieren sie die Bildmanipulation aufgrund der guten Idee? Oder treibt man ihnen damit den Glauben an das Dokumentarfoto vollends aus?
Was meint Ihr? Schön wäre es, auf unserer Facebook Seite Meinungen dazu zu hören.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in

