Fundgrube Pixelprojekt_Ruhrgebiet
Ausstellung von Neuaufnahmen, Internetportal als Archiv
Noch bis zum 21.08.2010 ist die Ausstellung „Pixelprojekt_Ruhrgebiet“ im Wissenschaftspark Gelsenkirchen zu sehen. Präsentiert werden Fotos von deutschen und internationalen Fotografinnen und Fotografen, die im Ruhrgebiet gearbeitet haben – oder noch weiterhin arbeiten.
Doch Pixelprojekt_Ruhrgebiet ist weit mehr als eine Ausstellung: Es ist eine umfangreiche digitale Sammlung, die inzwischen aus 315 Fotoserien von 197 Fotografinnen und Fotografen besteht. Damit gehört das Projekt zu den größten regionalen Bilddatenbanken, die sich auf Autorenfotografie konzentriert. So unterschiedlich wie die fotografischen Positionen und die Bandbreite der Ruhrgebiets-Themen, so unterschiedlich ist auch die Stellung der Fotografen. Unter Ihnen sind Bildautoren, Hochschullehrer, Stadt- und Zeitungsfotografen, Fotostudenten, aber auch Amateure, die sich mit Auszeichnungen für ihre Arbeiten hervorgetan haben.

Wie die von Ursel Maxisch fotografierten Kohlekumpels, sind natürlich viele der Arbeiten auf der Pixelprojekt-Internetseite klassische Ruhrgebietsthemen. © Ursel Maxisch
Ein zentrales Element des Projektes ist die Internetseite http://www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de/. Hier sind die Bildserien in eine thematische, wie auch chronologische Struktur gebracht. Pixelprojekt vereinigt nicht nur die Szene der freien Fotografen im Ruhrgebiet, es soll langfristig auch die Entwicklung der Region dokumentieren. Die Idee wurde 2002 von Peter Liedtke entwickelt. Das Projekt ist 2003 auf Initiative von damals 26 freien Fotografinnen und Fotografen gegründet worden.
„Einige der Arbeiten sind schon heute Klassiker und zeigen die Region zu einer Zeit, als der Begriff „Strukturwandel“ noch nicht zum aktiven Sprachgebrauch zählte (z.B. „Stadt- und Industrielandschaft im Ruhrgebiet“ von Joachim Schumacher, "Maloche – Leben im Revier“ von Michael Wolf oder „So nah – so fern“ von Brigitte Kraemer); andere Arbeiten sind erst in jüngster Zeit entstanden. Manche Serien sind das Ergebnis einer bestechenden Idee, ins Bild gebracht in wenigen Tagen (z.B. „Heroen des Ruhrgebiets“ von Jens Nieth und Arno Schidlowski oder „Phoenix“ von Ben Plefka), andere sind das Produkt langer, zum Teil bis zu 30jähriger Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema (z.B. „Arbeitswelt“ von Manfred Vollmer)“, heißt es in der Beschreibung des Projektes zu den Bildthemen.

Selbst so „exotische“ Themen wie das Hindufest in Hamm/Uentrop, von David Klammer fotografiert, ist unter den Themen zu finden. © David Klammer
Nur ein kleiner Kritikpunkt wäre anzumerken: Auch wenn über ein extra Fenster Hintergrundinformationen zu den einzelnen Fotoserien abzurufen sind, fehlt manchmal eine ergänzende inhaltliche Substanz. Zwar heißt es im Konzept: „Im Laufe der Jahre entsteht so ein fotografisches Gedächtnis der Region, das Mythen einer vergangenen Zeit mit visionären Bildern des Kommenden in Beziehung setzt“. Schön wäre es aber, wenn die Serien stärker mit Fakten unterlegt wären. Das ermöglicht Menschen, die nicht im Ruhrgebiet wohnen, die Themen besser verstehen. Es gäbe dem gesamten Projekt eine noch größere Bedeutung.
Auch Landschaften, die Fremde nicht im Ruhrgebiet vermuten würden, gehören zur Sammlung. © Wolfgang Quickels
Die ältesten Fotos stammen aus dem Jahr 1920. Insgesamt ist das Themenspektrum eindrucksvoll: Menschen, Soziales, Architektur, Kunst, Kultur, Industrie, Technik, Landschaft, Portraits, Sport – von
dokumentarischer Fotografie bis hin zu experimentellen Arbeiten. Pixelprojekt_Ruhrgebiet ist ein wichtiges Stück Zeitgeschichte verbunden mit einer zumeist exzellenten Fotografie. Eine wahre Fundgrube!
Einmal im Jahr können sich Fotografen mit Fotoserien zu den unterschiedlichsten Themen des Ruhrgebiets bewerben. Eine Jury entscheidet über Neuzugänge. Nächster Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2010.

Andreas Teichmann setzt dem „Wappentier“ des Ruhrgebietes ein Denkmal: Der Brieftaube. © Andreas Teichmann
In der aktuellen Ausstellung präsentieren sich die neu aufgenommenen Fotografen aus dem Jahr 2009/2010. Das sind: Dominik Asbach, Benito Barajas, Oliver Berg, Thomas Berns, Claudia Dietl, Arnd Drifte, Wolfgang Fröhling, Etta Gerdes, Bernadette Grimmenstein, Haiko Hebig, Dorothee Hörstgen, Moritz Kappen, Jürgen Kassel, David Klammer, Hans Jürgen Landes, Olaf Mahlstedt, Josef Mandel, Markus Milde, Wolfgang Quickels, Sabine Reiber, Sabrina Richmann, Klaus Rose, Joachim Schumacher, Marc Siewior, Marzena Skubatz, Ralf-Dieter Wewel, Heinz Wohner, André Zelck, Horst Dieter Zinn und Wolfgang Zurborn.
Über die Arbeiten schreibt der Veranstalter: „Das Themenspektrum reicht vom Bergarbeiterkampf bis zur Solarmodulproduktion und von der Aktion “Roter Punkt” bis zum Porträt eines Revierfußballvereins. Der Großteil der Arbeiten ist dokumentarisch. Neben klassischen Reportagen gibt es gleichfalls lichtinszenierte Beschreibungen von Ereignissen, die die Realität als Studioarrangement erscheinen lassen und den Betrachtern und dessen Realitätsgefühl irritieren. Subjektive Detailsichten öffnen Blicke für Prozesse von Stadt- und Raumentwicklung, digitale Mandalas zeigen industriegeschichtliche Qualitäten und harte schwarzweiß Kontraste machen aus Städten Schaubühnen.“
Pixelprojekt_Ruhrgebiet
bis zum 21.08.2010
Wissenschaftspark Gelsenkirchen
Munscheidstr. 14, 45886 Gelsenkirchen
Öffnungszeiten:
montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr,
samstags 7 bis 16 Uhr
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
