Leibovitz Cover: Keine Angst vorm schwarzen Mann
Diskussion um Vogue Titelfoto
Alle fotografischen Tabus sind geknackt? Fehlanzeige. Die Vogue veröffentlichte in ihrer 116-jährigen Geschichte jetzt zum allerersten Mal ein Titelbild mit einem schwarzen Mann. Diese Tatsache allein ist schon erstaunlich. Noch verblüffender ist, dass sich das Blatt dafür harsche Kritik einhandelte.

Das von Annie Leibovitz fotografierte Motiv zeigt den 2,03 Meter großen Basketballprofi LeBron James neben dem zierlichen Model Gisèle Bündchen. Ein Titelbild, das in den USA eine Auseinadersetzung über den Vorwurf des Rassismus auslöste: Das Modemagazin bediene das Stereotyp vom schwarzen Unhold und der weißen Unschuld.
Einer der Kritiker, John Hoberman, Professor von der Universität Texas, meint: „Das Cover zeigt die offensichtliche und unerhörte Verwertung eines alten rassistischen Motivs: Die mögliche Vergewaltigung einer weißen Frau durch einen physisch übermächtigen schwarzen Mann.“
Die NBC-Today-Show beschäftigte sich mit der Bildkomposition und interpretierte sie als eine Anspielung auf das Kinoplakat des Films King-Kong. Das Blatt und die Fotografin nützen angeblich das Klischee vom gefährlichen schwarzen Mann, um die Auflage zu erhöhen. Das Bild schüre in Zeiten des Präsidentschaftswahlkampfes mit einem schwarzen Kandidaten Ressentiments.
Die stärkste Bildinterpretation: LeBrons gebückte Haltung erinnere an die Haltung eines Affen – daher sei das Cover rassistisch. Dieser Logik folgend wäre ein Basketballspiel eine Filmszene aus Planet der Affen? Zu Denken gibt allerdings: Die Kritik, dass Vogue niemals vorher einen Schwarzen als Titelmodell hatte, war nicht zu hören.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
