Lillian Bassman und Paul Himmel Retrospektive
Ein experimentierfreudiges Fotografenpaar
Sie sind nicht nur ungewöhnliche Fotografen, sondern auch seit 75 Jahren ein Paar. Lillian Bassman (*1917) und Paul Himmel (1914 – 2009 haben jeweils für sich eine fotografische Kraft entwickelt, die bis heute an Modernität nichts einbebüßt hat. Auch wenn sie unterschiedliche Stile pflegten, ist ihnen doch die Liebe zum fotografischen Experiment gemeinsam. Vom 27. November 2009 bis zum 21. Februar 2010 ist eine umfassende Retrospektive des Künstlerpaars in Hamburg, im Haus der Photographie zu sehen.
„Lillian Bassman first lady of fashion photography“ schrieb das B&W Magazine for collectors of fine photography 2006.
© Lilian Bassman
Das Werk von Lillian Bassman besticht durch unglaubliche Eleganz und Stilsicherheit. Als langjährige Art Directorin bei Harper’s Bazaar hat sie in den 1940er bis 1960er Jahren maßgeblich nicht nur das Zeitschriftenlayout sondern auch die Modefotografie geprägt. Einen in den 1940er Jahren neuer Frauentypus - langgliedrig und schwanengleich – führte sie in ihre atmosphärisch aufgeladenen Szenerien in die Fotografie ein.
Durch immer neue experimentelle fotografische Verfahren gab sie ihren Bildern einen besonderen Schmelz, der eine malerische Anmutung in die Schwarzweißaufnahmen brachte. Tatsächlich „malte“ sie mit der Fotochemie auf den Abzügen, entwickelte stärker, oder ätzte ganze Passagen weg. So entstanden einige ihrer scherenschnittartigen Schwarz-Weiß-Bilder. „Was sie macht, hat eine geradezu magische Kraft. In der Geschichte der Fotografie ist es niemand anderem gelungen, diesen atemberaubenden Moment zwischen der Erscheinung der Dinge und ihrem Verschwinden sichtbar zu machen.“ sagte einmal ihr Freund, der Fotograf Richard Avedon.
„Von allen meinen Protegés ist Paul derjenige, der Bewegung am genialsten umsetzen kann.“ Alexey Brodovitch in Brigitte Woman 2008 zitiert.

© Paul Himmel
Auch Paul Himmels Werk ist geprägt von einer großen Experimentierfreude. Er arbeitete für Vogue, Harper’s Bazaar und viele andere Magazine. Fotografiegeschichte geschrieben haben vor allem seine Aufnahmen vom New York City Ballet aus den 1950er Jahren, die Bewegung nicht in Standbildern, sondern in wirbelnden Bewegungsstudien festhielt. Das Werk von Paul Himmel entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren immer stärker zur freien Kunst. Die oft radikalen Experimente mit Über- und Langzeitbelichtungen waren schon bald ihrer Zeit derartig voraus, dass er keine kommerziellen Auftraggeber mehr fand. Er beendete seine fotografische Karriere bereits 1969 und wurde erfolgreicher Psychotherapeut. Bekannt wurde er durch die Teilnahme an der von Edward Steichen kurierten, weltberühmten Ausstellung „The Family of Man“, die 1954 im Museum of Modern Art gezeigt wurde und auf deren Einladungskarte ein Werk von Paul Himmel zu sehen war.
Lillian Bassman & Paul Himmel
27.11.2009 – 21.02.2010
Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1-2
D-20095 Hamburg
Tel. 040 / 32 103 - 250
www.deichtorhallen.de
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
