Magnum verkauft 200.000 Prints
Der Investor leiht sie dem Harry Ransom Center
Mitte Dezember 2009 verließen zwei Lastwagen New York. Ihr kostbarer Inhalt war sorgsam verpackt und mit über 100 Millionen Dollar versichert. Die Trucks transportierten ungefähr 200.000 Prints der legendären Fotografenagentur Magnum Photos nach Austin zum Harry Ransom Center. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die private Investmentfirma des Unternehmers Michael Dell, MSD Capital, die Fotoabzüge erworben. 
Der Transport der wertvollen Fotoabzüge von New York nach Austin. @ Harry Ransom Center
Nicht nur in der Masse sondern vor allem in der Qualität spiegeln die nahezu 200.000 Prints die zeithistorisch und gesellschaftlich wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts wider, sind ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung. Die „Magnum Archive Collection“ geht bis auf die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück und umfasst Arbeiten von Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, David Seymour und Elliott Erwitt.
Ein Kaufpreis ist nicht bekannt. Der Nachrichtendienst Bloomberg schätzt die Summe mindestens auf ihren Versicherungswert von100 Millionen Dollar. Wie die Financial Times berichtet, gab Magnum-Geschäftsführer Mark Lubell an, dass sämtliche Magnum-Mitglieder dem Verkauf zustimmen mussten. Er erzählte: „Mir wurde gesagt, es sei das erste Mal in der Geschichte der Agentur gewesen, dass es eine einstimmige Entscheidung gegeben hätte.“ Auf der Homepage des Harry Ransom Center erklärt Lubell in einem Video die Beweggründe.

Screenshot vom Interview-Ausschnitt
Die Fotos sind eine fünfjährige Leihgabe an das Harry Ransom Center, das zur University of Texas, Austin, gehört. Und der Käufer Michael Dell, Gründer und CEO des Computerherstellers Dell, ist Absolvent dieser Universität. Das Harry Ransom Center wird die Fotoabzüge archivieren, wissenschaftlich aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Die Ransom-Fotokollektion besitzt bereits einen großen Bestand an Kunst- und Dokumentarfotografie. Dazu gehört auch das weltweit erste Foto. Fachleute vermuten, dass die nun als Museums-Exponate zusätzlich geadelten Fotos nach Ablauf der Leihfrist im Wert gesteigert auf den Markt kommen. Es wird sich zeigen, ob Dell mit dem Kauf finanzielle oder kulturelle Ziele verfolgt.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
