Perpignan: Ausstellende Fotografen #2
Von medizinischen und politischen Unfällen
Ab Ende August ist es wieder soweit: Das Fotofestival „Visa pour l’Image" findet zum 22ten Mal bis Anfang September in Perpignan statt. Etwa 30 Ausstellungen werden zu sehen sein. Aus der noch nicht kompletten Liste stellen wir hier sechs Fotografen vor. Weitere folgen bald.
Grégoire Korganow „Emergencies“
Nach einem Motorradunfall in Paris wurde Grégoire Korganow von Notfall-Sanitätern behandelt. Über diese Abteilung des „Service Mobile d’Urgence et de Réanimation“, SMUR, begann er daraufhin eine Reportage zu fotografieren. Ihn interessierten die Menschen, denen die sonst so anonymen helfenden Hände gehören. Seit 2008 besuchte der Fotograf regelmäßig das Hospital von Gonesse im Nordosten von Paris. Korganow dokumentierte die Arbeit des SMUR Teams, Männer und Frauen, die oft stundenlang um das Leben von Unfallopfern kämpfen.

Unfallmediziner bei der Arbeit. © Grégoire Korganow
Olivier Laban-Mattei „The Day Everything Changed“
Olivier Laban-Mattei (33) arbeitet seit zehn Jahren für Agence France-Presse und hat die letzten fünf Jahre damit verbracht Menschen zu fotografieren, die zu Opfern wurden: in Gaza, Haiti, Irak, Georgien, Burma und Iran. Sie verbindet ein ähnlich tragisches Schicksal, denn sie kämpfen mit derselben Würde und Courage gegen ihr Unglück, ob es nun durch autoritäre Regierungen, Naturkatastrophen oder Krieg verursacht wurde. Er nennt seine Bilderserie: „Der Tag an dem sich Alles änderte".

Bei Jabalia im Gaza-Streifen: Eine Frau beruhigt ihr Kind. Sie stehen auf den Trümmern, die einstmals ihr Haus waren. © Olivier Laban-Mattei
Justyna Mielnikiewicz „Shared Sorrows, Divided Lines“
Justyna Mielnikiewicz gewann 2009 den Canon Female Photojournalist Award. In Perpignan wird die Fotografin von der französischen „Association des Femmes Journalistes" präsentiert . Ihre Reportage aus dem Süd-Kaukasus beleuchtet einen Konflikt, der sich aus ethnischen Unterschieden speist. Es sind tief liegende Ursachen, die in der Geschichte des Landes begründet sind. Sie trennen und sie verbinden die Menschen dieses Landes, das zu den kompliziertesten Regionen der Welt zählen.
Michael Nichols „Redwoods: California’s Timber Wars“
In der Küstenregion Nordkalifornien wachsen die Sequoia sempervirens, Redwoods genannt. Mit über 90 Metern Höhe sind die größten Bäume der Welt. Sie erreichen ein Alter von 2.000 Jahren – wenn wir sie lassen. Im letzten Jahrhundert wurden allerdings 90 Prozent des Bestandes vernichtet. Übrig ist lediglich ein kleiner Rest. Dabei sind die Bäume so wichtig für das Ökosystem, denn sie beherbergen unzählige Waldtiere und bewahren das Grundwasser. Der aggressive Kahlschlag, der in den 60iger Jahren begann, steht im Konflikt zum traditionellen Holzhandel. Es ist ein Konflikt zwischen dem großen Kapital und den regionalen Firmen, ein Kampf zwischen Geld und Ökologie, den National Geographic Fotograf Michael Nichols in Bilder gefasst hat.

Ray and Brad Wood fällen einen 50 bis 80 Jahren alten Redwood Baum. Vater und Sohn gehören zu den traditionellen Waldarbeitern, denen es seit dem Einstieg der Industrie immer weniger Verdienst bleibt. © Michael Nichols / National Geographic.
Kazuyoshi Nomachi „Pilgrimages“
Bereits mit 25 Jahren arbeitet Kazuyoshi Nomachi freiberuflich als Fotojournalist in der Sahara Wüste. Und schon damals beschäftigte er sich in seiner Arbeit mit religiösen Pilgern. Nomachi bereiste den Nil von der Quelle bis ins Delta und weiter nach Athiopien. Die größten Pilgerzüge der Welt, die nach Mekka und Medina, inspirierten den japanischen Fotografen religiöse Rituale weltweit zu fotografieren. In Perpignan ist die Retrospektive seiner Arbeit erstmal in Europa zu sehen.

2005 in Coyllur Ritti, Peru: In der Höhe von 5.000 Metern beten Ukukus, Menschen mit Wollmasken, an einem Kreuz im Schnee der Anden. © Kazuyoshi Nomachi / Studio Equis
Andrea Star Reese „The Urban Cave“
Das Projekt „Urban Cave“ begann 2007. Es zeigt Menschen in Notunterkünften rund um New York, Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Ihr Dasein fristen sie unter Brücken oder in U-Bahn-Tunneln. Die Arbeit von Andrea Star Reese zeigt diese entwurzelte Bevölkerungsgruppe sehr menschlich und geht auf die individuellen Schicksale der Langzeit-Obdachlosen ein.
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New York. Willy Colon lebt in seit mehr als fünf Jahren in Pappkartons. Der Obdachlose muss sich jeden Tag ein neues „Heim“ suchen, da er morgens seine Unterkunft zerstören muss um eine Haft zu vermeiden. © Andrea Star Reese 2009
Visa pour l’Image - Perpignan
28.8 bis 12.9.2010
Die Ausstellungen sind von 10 Uhr bis 20 Uhr kostenlos zu sehen
Professionel Week 30.8 bis 5.9.2010
Hôtel Pams, 18, rue Émile Zola
66000 Perpignan - France
Tél : +33 (0)4 68 62 38 00 - Fax : +33 (0)4 68 62 38 01
email : contact@visapourlimage.com
www.visapourlimage.com
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
