„Visual Culture Awards“ in Charleston
Ein Plädoyer für die kulturelle Identität
Die Gewinner der „Visual Culture Awards“, einem internationalen Fotowettbewerb, werden seit kurzem im Charleston Center for Photography, Charleston, South Carolina, USA, präsentiert. Alle drei von der tVCA ausgezeichneten Fotoserien beschäftigen sich mit dem Verlust von Kultur.
Die Auszeichnung in Gold ging an den Canadier Larry Louie. Der Fotograf aus Edmonton pendelt zwischen seinem Ausbildungsberuf als Augenarzt und längeren Reportagereisen. Er gewann mit einer Arbeit über die Jahrtausende alte Kultur der Tibeter, die allmählich verschwindet.
© Larry Louie
Mit Silber wurde Evi Lemberger ausgezeichnet, die in einem kleinen Ort im Bayrischen Wald geboren wurde. Nachdem sie am London College of Communication studiert hatte, arbeitete sie einige Zeit als Fotojournalistin in Moskau. Sie schreibt unter anderem für jetzt.de und erarbeitete ein Fotoprojekt in der Ukraine, für das sie ausgezeichnet wurde.
© Evi Lemberger
In den ukrainischen Karpaten fotografierte sie eine Serie, in der sich Portraits mit Interieurs abwechseln – sie ergeben ein eindrückliches Bild über das einfache Leben auf dem Lande. Die Menschen in dieser Grenzregion verlieren ihre kulturelle Identität, denn im 20. Jahrhundert wechselte die Gegend sechs Mal die Nationalität. Von Ungarn kam das Land zur Tschechoslowakei, dann gehörte es zur Sowjetunion, wieder zurück nach Ungarn und heute ist es Gebiet der Ukraine. Dort herrscht eine Arbeitslosigkeit von 90 Prozent.
© Evi Lemberger
Mit Bronce wurde ebenfalls ein Kanadier ausgezeichnet: Aaron Vincent Elkaim. Er lebt als freiberuflicher Fotograf in Toronto. Da sein Vater marokkanischer Jude ist, widmete er eine fotografische Arbeit seinen familiären Wurzeln. Noch 1940 lebten 300.000 Juden in Marokko, heute sind es nur noch 3.000. Der Fotograf hat sich in Marokko auf die Reise in eine Leere begeben, die der kulturelle Exodus der Juden hinterlassen hat.
© Aaron Vincent Elkaim
In der Kategorie Einzelbild wurden folgende Fotografen mit den Awards of Excellence ausgezeichnet: Mark Altman - Israel, Jordan Bower - Canada, Scott Brauer - USA, Philipp Engelhorn - Deutschland, Giovanna Godard - USA, Des’ola Gunter - USA, Kurt Hoerbst - Österreich, Ikuru Kuwajima - Ukraine, Laura Montanari - Italien, Eric White - USA, Wiebke Wilting - Holland, Georg Worecki - Deutschland und Isabell Zipfel - Deutschland.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
