Von der Webcam zur Fotokunst

James Pomerantz: Ein Dokumentarist experimentiert

 

James Pomerantz ist ein ungewöhnlicher Fotograf. Nicht nur weil er ausgezeichnet fotografiert, sondern auch weil er mit enormer Bandbreite an seine Themen herangeht. Manche seiner Fotoprojekte sind so andersgeartet, daß sie von unterschiedlichen Fotografen stammen könnten.

Das schwarze Meer bei Sukhumi. © James Pomerantz

Seine Reportagen aus Abchasien zeigen sensibel aufgenommene Dokumentarfotografie inklusive klassischer Porträts. Eine andere Serie besteht aus Stills. Es sind harmlose Butterbrot-Dosen, die mit kitschigen Kriegsmotiven versehen sind. Außerdem fotografierte er Badende, die in hellen Flecken aus schwarzen Flächen herausgelöst sind.

Hochschulabgänger und Freund in Baku. © James Pomerantz

Bei einer anderen konzeptionellen Serie, experimentiert er mit Bildern soweit, daß am Ende ein künstliches Bild dabei heraus kommt. Die von ihm unter dem Titel „remote control“ veröffentlichten Originalfotos hat er nicht selbst aufgenommen. Eigentlich sind es gar keine Fotos. Die Bilder stammen aus einer anonymen Webcam, aus denen Pomerantz Variationen eines Landschaftsmotivs gestaltete. Der Fotograf fischte die unterschiedlichsten Wettersituationen und Lichtstimmungen von dieser einen Kamera aus dem Internet und rechnete mehrere davon zu Einzelmotiven zusammen. Die gestitchten Bilder zeigen also Etwas, was es nie gegeben hat, ein irreales Bild einer realen Landschaft. Für einen Fotojournalisten recht bizarr.
„remote control“. © James Pomerantz

Pomerantz dachte sich: „Warum beobachtet einen Kamera 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche, einen einzigen Ausschnitt?“ Und so packte ihn der Ehrgeiz, auf den Spuren der klassischen Landschaftsfotografen, die mit der Großformat in der Natur stehen, zu wandeln. Nur mit dem Laptop und ohne je selbst vor Ort gewesen zu sein.


„remote control“. © James Pomerantz

Der in New York lebende Fotograf wurde 1977 geboren. Er studierte an der Columbia Universtity und der School of Visual Arts in New York. James Pomerantz wird vom „Institute for Artist Management“ vertreten. 2010 stellte er auf dem „New York Photo Festival“ aus. Ein Blick auf seine Homepage lohnt sich.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in