Wo bleibt die Disziplin?
Photosymposium in Bielefeld
Symposium bringt Omi um? Möglich wäre das, denn Omis stehen ja bekanntlich auf Disziplin und Ordnung. Das 30. Bielefelder Photosymposium kümmert sich aber um das völlige Gegenteil: um „Undisziplinierte Bilder“. Renommierte Bildwissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, international bekannte Fotografen aus dem angewandten und künstlerischen Bereich widmen sich dabei in Vorträgen und Präsentationen der „Undisziplin“ fotografischer Bilder in Fototheorie und Fotopraxis. Eine Veranstaltung des Forschungsschwerpunkts Fotografie und Medien der FH Bielefeld in Kooperation mit der Bielefeld Graduate School in History and Sociology der Universität Bielefeld.

Selbstgestrickt? Nein, absolut ohne Disziplin, dieses Plakat für das Bielefelder Photosymposium.
„Der große Vorzug der Visuellen Kultur als Konzept besteht darin, dass sie ihrer Tendenz nach eine Undisziplin ist; sie benennt eher eine Problematik, als einen klar definierten theoretischen Gegenstand“, so formuliert es W.J.T. Mitchell 2008 im Buch „Bildtheorie“.
Martin Roman Deppner und Thomas Abel schreiben zur Veranstaltung: „Das Symposium zur These der ´Undisziplin` fotografischer Bilder möchte den Dialog zwischen Fototheorie und Fotopraxis nicht nur interdisziplinär weiterdenken, sondern diesen gezielt durch sozial- und geschichtswissenschaftliche Ansätze der Bildforschung neu akzentuieren.
Die Nicht-Zugehörigkeit von Fotografien zu nur einer Disziplin meint dabei, sie als dialogisch wirkende Strukturen zu verstehen, um einen gemeinsamen Denkraum zu eröffnen. Inhaltlicher Schwerpunkt des Symposiums soll u.a. sein, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bewertung fotografischer Bilder im interdisziplinären Dialog auszutauschen; ihre Bedeutung und Interpretation bei der 'Beschreibung des sozialen Feldes des Blicks (…), der Konstruktion von Subjektivität, Identität, Begehren, Gedächtnis und Einbildungskraft zu bestimmen und das Verhältnis von Bilderkenntnis vs. Bildautonomie bzw. Wissensorganisation vs. Magie des Bildes zu diskutieren. Ziel des Symposiums ist es, neue Perspektiven für die konzeptionell-gestalterische Fotopraxis als Teil empirischer Bildwissenschaft aufzuzeigen und im interdisziplinären Dialog mit sozial- und geschichtswissenschaftlichen Disziplinen zu gemeinsamen und innovativen Forschungsansätzen zu gelangen.“
Respektlos? Nein, das wichtigste Instrument des berühmten Medientheoretikers Vilém Flusser steht im Mittelpunkt: Seine Denkerstirn. Das Foto entstand 1984 auf dem Bielefelder Fotosymposium. © Ralph Hinterkeuser
Undisziplinierte Bilder
26.–27. November 2009
Fachhochschule Bielefeld | Fachbereich Gestaltung
Lampingstraße 3, 33615 Bielefeld
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
