Bilderberg steht zum Verkauf

Insolvenzverfahren wurde eröffnet

 

Unter dem Aktenzeichen: 67a IN 117/10 hat das Amtsgericht Hamburg das Insolvenzverfahren für die Fotoagentur Bilderberg eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dr. Achim Ahrendt, Albert-Einstein-Ring 11/15, 22761 Hamburg bestellt.

Es ist eine traurige Wiederholung der Ereignisse aus dem April 2008, als Bilderberg zuletzt in die Insolvenz ging. Unter leicht modifizierten Firmennamen hatten die ehemaligen Mitarbeiter den Agenturbetrieb übernommen – mit viel Engagement und dem Willen zur  Veränderung. „Unsere Aktivitäten, frischen Wind in die Agentur zu bringen, haben uns eigentlich gut voran gebracht. Dies gelang auch mit Hilfe neuer Fotografen, die eine moderne Bildsprache repräsentieren“, sagt Angelo Concu, seit 2008 einer der neuen Gesellschafter, „Doch leider ist dieser positive Umbauprozess jetzt gestoppt, denn die derzeitigen Bildhonorare erlauben es uns nicht den Betrieb mit der derzeitigen Konstellation wirtschaftlich weiter zu führen.“

Bilderberg, deren Urform vor mehr als 25 Jahren gegründet wurde, vermarktet derzeit etwa 120 Fotografen aus dem In- und Ausland – von GMB Akash bis Javier Zurita. Die Bilderberg Fotografen sind über die Ereignisse informiert. Ihre Honorare sollen weiterhin abgerechnet werden. Zudem seien ihre Veröffentlichungsrechte nicht durch den Konkursverwalter blockiert, hieß es. Auch wenn ihnen das Kündigungsrecht zusteht, so bleiben die meisten Bildlieferanten bei der Stange. „Dass wir keine Kündigungswelle zu verzeichnen haben, ist ein großer Vertrauensbeweis in das neue Team und in die Zukunftsfähigkeit von Bilderberg“, meint Angelo Concu.

Hoffnung auf ein erneutes Wiederaufleben der Agentur setzen die Beteiligten in Verkaufsgespräche, die mit einigen Interessenten derzeit stattfinden. Darauf wirkt sich der Zusammenhalt der Bilderberger sicherlich positiv aus. Denn wer kauft schon eine leere Unternehmenshülle? Es hat den Anschein, dass auch der Konkursverwalter, der bei einem solchen Verkauf das letzte Wort hätte, ein Interesse an der Weiterführung der Agentur hat.


Screenshot der Agentur Bilderberg Startseite

In diesem Zusammenhang taucht die Frage auf: Ist die Zeit für Fotografenagenturen vorbei? Dr. Stefan Hartmann, Chefredakteur Pictorial - Art Buyer's Digest, schätzt es so ein: „In erster Linie ist es nicht das Problem der Firmenorganisation, sei es Fotografenagentur oder Inhaberagentur. Es ist eine Frage des Marktes. Auf dem Sektor der engagierten hochwertigen Reise- und Reportagefotografie wird es immer enger, die zahlungskräftigen Kunden fehlen mehr und mehr. Und wenn sich in diesem Segment – wie in letzter Zeit zu beobachten – auch noch Fotografengruppen in immer weitere Agenturen aufspalten, wird die Lage für diese Agenturen ökonomisch nicht besser. Denn insgesamt wird es für solche Fotografengruppen immer schwieriger, sich zu formieren und zu positionieren.“



Einen der Gründe für die Insolvenz sieht Stefan Hartmann aber auch in den Altlasten der Agentur: „Bei Bilderberg im speziellen wird man aber auch offen sagen müssen, dass – lassen wir mal die letzte Geschäftsleitung außen vor – ein Großteil der Misere auch in Management-Fehlern und im schlechten Zusammenspiel zwischen den Eigentümer-Fotografen und der Geschäftsführung zu suchen ist. Es sind nicht immer nur die anderen, manchmal demoliert sich eine Agentur auch selbst. Schade.“


Eingestellt von Manfred Scharnberg in