Die Allianz der Edelfedern
Magda, die neue Plattform für Autorenstücke
Ist MAGDA eine Verwandte von Hugo? Nein, sie ist die Nachfolgerin. Denn was in Branchenkreisen bereits unter dem Namen Hugo kursierte, heißt jetzt MAGDA (nicht Twix). Und MAGDA ist die Abkürzung für „Magazin der Autoren“ – eine Plattform für exzellente Texte, die gerade online gegangen ist. Der Zusammenschluss von Edelfedern erklärt die Hintergründe: „Das 'Magazin der Autoren' ist ein journalistisches Experiment in einer Welt ohne Geschäftsmodelle. In dieser Welt müssen auch Journalisten sich erst noch zurechtfinden. Aber genau das haben wir gelernt: Uns auf unbekanntes Terrain zu begeben, neugierig zu bleiben und Antworten auf drängende, nie gestellte oder angeblich unsinnige Fragen zu suchen.“
Die Liste der 22 beteiligten Gesellschafter liest sich wie ein Auszug aus den Who is Who des Textjournalismus: Dominik Baur, Marc Bielefeld, Sabine Böhne, Tom Dauer, Emanuel Eckardt, Susanne Fischer, Susanne Frömel, Heinrich Jaenecke, Fritz-Jochen Kopka, Claus-Peter Lieckfeld, Wolfgang Michal, Ulla Plog, Martin Rasper, Peter Sandmeyer, Kai Schächtele, Tom Schimmeck, Stefan Schomann, Michael Schophaus, Andreas Weber, Alfred Welti, Erdmann Wingert und Felix Zimmermann.
Lauter über Deutschland verstreute Einzelkämpfer, die aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen und bereits im Journalisten-Netzwerk „Autoren+Reporter“ organisiert sind. Sie haben allerdings nicht einen konventionellen Verlag gegründet. „Die Autoren von MAGDA arbeiten unter neuen redaktionellen Bedingungen: ohne Apparat, ohne Aufpasser, ohne Sicherheiten. Als freie Journalisten sind wir erstmals wirklich frei, und das heißt: für alle Unzulänglichkeiten und Geniestreiche selbst verantwortlich“, schreibt das MAGDA-Team.
Dem hervorragenden Ruf der Macher werden nicht nur die Texte der Website, die auch von anderen Autoren stammen, gerecht. Ebenso hat man bei der Namensgebung der sieben Ressorts Fantasie walten lassen. Kostproben gefällig? Bitte: „Wiese und Weltall“, „Die Stadt und ich“, „Bel Etage“ und „Leidenschaften“. Und die Kolumnen haben so bizarre Namen wie „E-Mail + die Detektive", „Abseits“ und „Abwesenheitsnotiz“. MAGDA will über „Wichtiges und Abseitiges, Empörendes und Erhellendes aus dem wirklichen Leben“ berichten.
Sccreenshot der Magda Startseite
Alle vier Wochen wechselnd, ziert die Aufmacherseite ein Fotoessay eines FREELENS Fotografen. Den Anfang macht die Reportage von Jesco Denzel über die Gitans, eine in Perpignan lebende Roma-Gruppe. Die besondere Präsentationsform der Fotos: Wie bei einem Weihnachtskalender wird jede Woche ein „Türchen“ geöffnet – also ein geschwärztes Bild freigegeben. Was die Macher wohl bei der Entscheidung für diese Art der Präsentation geritten hat? Offenbar ist der Unterschied zwischen einem Einzelfoto und einer Fotoreportage unklar. Die Reportage erzählt in mehreren Bildern eine Geschichte – ähnlich wie im Text. Kaum vorstellbar ist allerdings, dass die Autoren ihre eigenen Textreportagen in Häppchen servieren würden.
Klar, MAGDA ist eine Plattform von Autoren. Aber ein Magazin ist es (noch) nicht. Optisch klar und aufgeräumt gestaltet, platziert sich MAGDA dennoch hart an der Grenze zur Bleiwüste, pardon, zur digitalen Buchstabenwüste. Dennoch ist eine sehr leckere, fein abgeschmeckte Buchstabensuppe dabei heraus gekommen, deren Verzehr allemal ein Genuss ist. Guten Appetit! MAGDA ist eben „subjektiv, einfühlsam und unberechenbar“.
Und was ist mit Hugo, dem Mops? Der ist seinen Arbeitsplatz als Namensgeber los, hat nur noch einen Teilzeitjob als Maskottchen des Teams.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
