Gesponserte Fotoreportage

New York Times druckt von Lesern bezahlte Fotos

 

Die New York Times (NYT) ist ein Vorbild für Zeitungsmacher in aller Welt – der Olymp des Journalismus. Dass die hoch angesehne Zeitung jetzt eine Fotoreportage druckte, die sie sich von Anderen bezahlen ließ, lässt viele Leser an dessen Unabhängigkeit zweifeln. Sie fragen sich: Ist es schon soweit gekommen, dass nicht einmal die New York Times es sich leisten kann, Reporter in die Welt hinaus zu senden?

Doch von Anfang an. Die junge Fotojournalistin Lindsey Hoshaw schlug dem Blatt eine Reportage über einen kilometerlangen Müllteppich im Südpazifik vor. Dort schwimmen unsere Wohlstands-Plastikabfälle in Massen vor sich hin. Die Fotografin konnte zwar die Redaktion von dem Thema überzeugen, die Reisekosten wollte  diese allerdings nicht bezahlen. Etwa 10.000 Dollar sollte die vierwöchige Mitfahrgelegenheit auf einen Forschungsschiff kosten – lediglich 750 Dollar bot die NYT für die Bildrechte an.


Bildserie in der New York Times. © Lindsey Hoshaw.

Aber Hoshaw gab nicht auf und rief über die Plattform Spot.Us im Internet zu Spenden auf. Das ist ein Portal, welches bisher im Schwerpunkt genutzt wurde um Film- und Musikprojekte durch einzelne Geldspenden von Privatleuten zu finanzieren, „crowd funded“ oder „cloud financing“ wird die Methode genannt. Erst etwa 40 journalistische Veröffentlichungen wurden mit Hilfe von Spot.Us finanziert.

Spendenaufruf für ihre Story per Video: Lindsey Hoshaw über Spot.US.

Auch für Lindsey Hoshaw lief es erfolgreich. Über hundert Menschen überwiesen Geld, um ihr die Reportage zu ermöglichen. Meist waren es Kleinbeträge von 20 bis 50 Dollar. Aber auch die Mitbegründer von Wikipedia und ebay, Jimmy Wales und Pierre Omidyar waren unter den Sponsoren.

Die NYT veröffentlichte den Artikel, und nannte die Finanzierung über Spot.Us. Doch sie vermied es auf die Homepage von Lindsey Hoshaw zu verlinken. Die Zeitung beansprucht das Copyright an den Fotos obwohl sie nur 750 Dollar bezahlte, die Unterstützer aber mehr als 6.000 Dollar zusammen brachten.

Plasikmüll als neues Heim für Meeresbewohner. Aus der Fotostrecke der New York Times Homepage © Lindsey Hoshaw.

Leser und Medienkritiker befürchten nun, dass solche Fremdfinanzierungen zu Verwerfungen in der Medienbranche führen könnten. Die Möglichkeiten scheinen verlockend. Vielleicht wächst so die Bereitschaft, möglichst billig oder kostenlos bereit gestellte Inhalte zu übernehmen – egal, woher sie kommen.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in