Merian: Zurück zu den Werbe-Wurzeln?
Jalag macht gemeinsame Sache mit Mercedes
Pünktlich zum Start der neuen Formel-1-Saison veröffentlicht der Hamburger Jahreszeiten Verlag ein Merian Extra über diesen Motorsport. Das 140-seitige Magazin entstand offensichtlich in Kooperation mit Mercedes, denn Merian Chefredakteur Andreas Hallaschka schreibt in seinem Editorial von „unserem Partner Mercedes Benz“.
Schon bei dem Blick auf das Cover kommen Zweifel auf, ob es sich bei der Ausgabe um ein journalistisches Verlagsprodukt handelt. Sämtliche Teaser haben Mercedes zum Inhalt. Ob es sich dabei um Michael Schumachers Beweggründe handelt, wieder für Mercedes im Rennsport Gas zu geben, oder um ein Interview mit Daimler-Chef Dieter Zetsche über die Zukunft des Automobils.
Titelbild des morgen erscheinenenden Merian Extra. Konsequenterweise hätte die Redaktion den Untertitel „Die Lust am Reisen“ gleich in „Die Lust am Rasen“ ändern können.
Weitere Themen im Heft: „Inside Mercedes: Hinter den Kulissen der Formel eins“, „Die Rückkehr der Silberpfeile“. Merian berichtet über das englische Unternehmen High Performance Engines, „wo Mercedes die besten Motoren der Welt baut.“ Merian lässt auch den zweimaligen Mercedes-Weltmeister Mika Häkkinen – auch tätig als Mercedes Werbefigur – zu Wort kommen, und macht einen Besuch im Mercedes-Museum in Stuttgart. Selbst dem Hauptsponsor des Mercedes-Teams Petronas ist eine eigene Story gewidmet. Der Merian Pressetext kündigt ein Highlight des Heftes an, nämlich „ein aktuelles Poster des neuen Mercedes Formel 1 Autos und eine von der MERIAN-Redaktion recherchierte ausklappbare Chronologie der Mercedes Motorsport Geschichte als illustriertes Poster.“
Das FREELENS Magazin hatte bereits über Verbandelungen mit Autoherstellern – darunter auch Mercedes – und Tourismusregionen berichtet. Unbeirrt von derartiger Branchenkritik scheint Merian den Weg vom ernst zu nehmenden journalistischen Magazin hin zum Werbeblättchen weiter zu beschreiten.

Ausschnitt aus dem FREELENS Magazin Bericht über die Praktiken bei Merian: In jedem Kreis des Layouts von Merian Extra „Große Ferien“ findet sich ein Fahrzeug von Mercedes. (Hier geht es zum Artikel)
Da wundert es denn, wenn der Mediendienst MEEDIA schreibt: „Mit ihrem Formel Eins-Heft kehrt die Chefreaktion zu ihren journalistischen Wurzeln zurück.“ Was eine so enge Verquickung von Werbewirksamkeit und Magazininhalten mit Journalismus zu tun hat, fragte sich auch ein Leser von MEEDIA. Er kommentierte den Bericht: „So, wie Sie's beschreiben, handelt es sich dabei doch mehr oder weniger um ein Advertorial, um eine Form des Corporate Publishing (der Daimler AG) unter dem Markennamen Merian. Wenn dem tatsächlich so sein sollte: Wieso sehen Sie hier eine 'Rückkehr zu journalistischen Wurzeln', wie Sie schreiben?“
Noch eine Kuriosität am Rande: Gegenüber Horizont.net erklärte Andreas Hallaschka die thematische Abweichung des Extra-Heftes von normalerweise geographischen Schwerpunktheften folgendermaßen: Merian sei „mindestens genauso sehr ein Kultur- wie ein Reisemagazin". Was will uns der Chefredakteur damit sagen? Dass Formel 1 in das Kultur Ressort gehört? Oder dass die enge „Zusammenarbeit“ von Anzeigenkunden und Merian Redaktion inzwischen zur Verlagskultur geworden ist? Das bleibt ein Rätsel.
Wer dazu Erhellendes beitragen kann, kommentiert gern über die neue FREELENS Facebook Gruppe.
UPDATE
Missverständnis: MEEDIA Redakteur Alexander Becker hat den von mir gewonnen Eindruck korrigiert: Mit der „Rückkehr zu journalistischen Wurzeln“ habe er nicht das Heftkonzept gemeint, sondern die thematische Basis des Chefredakteurs und seines Stellvertreters. Tatsächlich führt MEEDIA dazu im Artikel ihre Vergangenheit bei Sports beziehungsweise bei Sport Bild auf.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
