Wie Verlage ausbluten

Matthias Spielkamp über Journalisten als Bittsteller

 

Der Journalist und Berater Matthias Spielkamp prophezeit der Verlagsbranche einen Verlust an journalistischer Klasse, ein so genanntes Brain Drain. In einem lesenwerten Beitrag bei Kress schreibt er über die Tendenz bei Verlagen, Journalisten wie Bittsteller zu behandeln. Und er nennt Beispiele für die kümmerliche Honorierung freier Journalisten.

Die Abwanderungstendenzen guter Leute würden den Journalismus und die Medien schwächen. „Das alles jedoch, so hat man den Eindruck, macht Verlagen keine Sorgen. Frohgemut werden Honorare bezahlt, die, auf einen Stundenlohn umgerechnet, in der ostdeutschen Sicherheitsbranche sittenwidrig wären. Es werden Verträge aufgesetzt, die den Autoren immer wieder aufs Neue demonstrieren, dass es um Ausbeutung ihres "Contents" und ihrer Arbeitskraft geht, nicht um Zusammenarbeit“, schreibt Spielkamp, der einen eigenen Blog betreibt.

Und er bezweifelt, dass Verlage aus der Krise gelernt haben: „Wie sie das schaffen wollen mit Mitarbeitern, denen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Verachtung zeigen, ist mir zumindest nicht ganz klar. Sein Fazit: „Wenn Verlage wollen, dass Journalismus bei ihnen stattfindet, dann müssen sie Journalisten wie Partner behandeln, nicht wie Bittsteller. Ob sie das wollen oder nicht, ist egal. Der Markt, da bin ich ganz zuversichtlich, wird es tatsächlich regeln.“


Eingestellt von Manfred Scharnberg in