Morning Sun
Datum
Von: 2010-03-12 20:00
Bis: 2010-05-30 20:00
Adresse
galerie ak1 - www.galerie-ak1.de
Firnhaberstraße 1
70174
Ausstellungsbeschreibung
Das Puzzle bleibt unvollständig
Wenn „der entscheidende Augenblick“ als Dogma aller dokumentarischen Fotografie gilt und uns, den Betrachtern, den Weg zur Geschichte hinter der Geschichte öffnet, dann lässt sich die Arbeit „Morning Sun“ von Andreas Körner nicht so eindeutig im Dokumentarischen verorten, wie es vordergründig den Anschein hat.
Als DAAD-Stipendiat bereiste der Fotograf China und lernte an der Central Academy of Fine Arts in Beijing den Kommunikationsdesigner Gao Yi kennen. Einige Jahre später, als der chinesische Freund bereits in Berlin lebte, entschlossen sich die beiden Künstler zu einer weiteren Reise durch Gao Yis Heimat. Bei den gemeinsamen Streifzügen durch Beijing und Shanghai entstanden die Bilder dieses Buches beinahe beiläufig und im künstlerischen Austausch. Die Fotografien von Andreas Körner sind die Betrachtungen eines Staunenden, der uns, fasziniert und aus kultureller Distanz, einen Blick auf die Metamorphosen zweier chinesischer Megacities werfen lässt, dabei aber unseren Wunsch nach Vollständigkeit der Erzählung durch die Konstruktion seiner Bilder unterminiert.
Oft löst sich erst auf den zweiten Blick die scheinbare Unverbundenheit von surreal anmutender Hintergrundkulisse und Porträtiertem im Vordergrund auf: Die idealtypische Landschaft ist tatsächlich nur eine Plakatwand, mit der die Aussicht auf dahinter liegende Baustellen verdeckt wird. Riesige Vorhänge, auf Karton gemalt, scheinen als Bühne einen futuristisch-monotonen Hochhauspark einzurahmen. Stoffgebirge, die sich malerisch in irisierendem Grün beinahe wie Christo’sche Verhüllungskunst gegen den Horizont abheben, bedecken in Wahrheit den Bauschutt der Stadt. Überall dazwischen treffen wir auf seltsam statisch wirkende Menschen, die sich wie in einem Akt der Selbstvergewisserung gegenseitig vor der hypertrophen urbanen Kulisse fotografieren. Andreas Körner verdichtet das Moment der Künstlichkeit manchmal bis zur Verfremdung. Die Irritation wird zum Auslöser für genaueres Hinsehen und Nachforschen:
Wie paradox ist die Beziehung zwischen kultureller Identität und forcierter Uniformität unserer Wünsche und Begehrlichkeiten? Was formt wen? Wir die Landschaft? Oder die urbane Wirklichkeit uns? Das Puzzle der visuellen Eindrücke lässt sich am Ende nur unvollständig zusammensetzen. Der uns erlaubte Blick bleibt fragmentarisch und in seiner Mehrdeutigkeit poetisch.
Nicole Dresen
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr
...und gerne auf Anfrage
Weitere Informationen unter: www.galerie-ak1.de
Eingestellt von Andreas Körner Ort:

