Jalag: keine Indianer, nur noch Häuptlinge
Der Verlag streicht 70 Vollzeit-Jobs
Unter dem wohl eher literarisch gemeinten Titel „Konzentration, Kreativität und Qualität“ legte die Geschäftsführung des Hamburger Jahreszeiten Verlages heute ein hartes Sparkonzept vor. Demnach will er, außer denen in leitender Position, sämtliche Redakteure seiner zehn Magazine entlassen. Insgesamt sollen 15 Prozent der rund 420 Mitarbeiter freigesetzt werden, also über 70 Vollzeit-Stellen.
Übrig bleiben Redaktionen ohne Redakteure - nur noch Häuptlinge und keine Indianer mehr. Denn so genannte „Blattmacherteams“ sollen bereits ab Mitte des Jahres die zehn Objekte des Verlags führen, freie Mitarbeiter sollen Texte zuliefern. Die „Blattmacherteams“ der einzelnen Titel sollen künftig nur noch aus Chefredakteur, Art Director, Textchef sowie den Ressortleitern und ihren Stellvertretern bestehen. Laut der stellvertretenden Djv-Vorsitzenden Ulrike Kaiser, ziele dieses Konzept „auf die Abschaffung des Redakteursberufs" ab. Auch die Artdirektion, das Layout und die Schlussredaktion sollen an externe Dienstleister vergeben werden.
„Die Bildredaktionen und die Syndication des Verlages werden zu einer Einheit Syndication/Bildredaktion zusammengefasst mit einer Doppelspitze aus Leitung der Syndication und einem Leitenden Bildredakteur. Die einzelnen Bildredakteure stehen als stetige Ansprechpartner ihnen zugeordneten Objekten zur Verfügung“, heißt es in der Presseerklärung des Verlages. Wie bei den Blattmachern sollen auch hier mehrere Objekte parallel bearbeitet werden.
Dennoch verspricht, Dr. Jan Pierre Klage, Sprecher der Geschäftsführung: „Wir werden mit der neuen modernen Organisation das hohe Niveau unserer Zeitschriften perspektivisch und langfristig garantieren.“ Große Worte. Die Geschäftsführung sieht Handlungsbedarf, da die bisherigen Einsparmaßnahmen – wie Kurzarbeit – den Rückgang der Umsätze nicht ausgleichen konnten. „Wir müssen zwei Probleme zur gleichen Zeit bewältigen: den strukturellen Wandel der Medienwelt und die anhaltende wirtschaftliche Krise. Wir kommen nicht umhin, die Kostenstruktur den sinkenden Erlösen anzupassen“ so Jan Pierre Klage. Daher komme es vor allem darauf an, die Fixkosten zu senken.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
