„Small but Beautiful“ – die neuen Magazine
Erleben wir eine Renaissance der Print-Kultur?
Das diesjährige Jäger & Sammler-Symposium des Freundeskreises des Hauses der Photographie e.V. widmet sich am 11. Dezember der „Renaissance der Printmagazin-Kultur“ und ihrer Bedeutung für die Fotografie. Experten aus Theorie und Praxis diskutieren den Wandel, während Blattmacher und Künstler die Magazinkultur für 48 Stunden in den Deichtorhallen Hamburg zum Leben erwecken. Die Besucher bekommen während des Symposiums einen Einblick in die Entstehungsperformance des ersten Deichtorhallen-Magazins, das vom Freundeskreis des Hauses der Photographie e.V. herausgegeben wird.
Unwahrscheinlich ist, dass heute jemand von einem aktuellen Ereignis aus den Printmedien erfährt. Es ist offenkundig, dass Zeitungen und Zeitschriften das Aktualitätsrennen gegen Onlinemedien endgültig verloren haben. Der "Eeeextrablatt!"-schreiende Junge aus alten amerikanischen Filmen gehört der Vergangenheit an. In Folge der Digitalisierung ist es zu einer Enthierarchisierung und Beschleunigung der Medienlandschaft gekommen. Durch ein zunehmend verändertes Rezeptionsverhalten kämpfen die klassischen Printmedien mit einem wachsenden Leserschwund.
Mehr und mehr Leser suchen aktuelle und aktuellste Informationen online, wo diese oftmals fast zeitnah zu den Ereignissen selbst zur Verfügung stehen und eine neue Form des medialen Dabeiseins ermöglichen. Und dennoch gibt es schon seit einigen Jahren eine Gegenbewegung, gerade im Bereich der Magazine. Zum einen werden Hintergrund, Einordnung und Analyse den Druckwerken nach wie vor mehr zugetraut, zum anderen gibt es die Bewegung des ‚Small but Beautiful’, die eine Fülle neuer und innovativer Magazine hervorgebracht hat, die in kleinen und kleinsten Auflagen ihre spezifischen Zielgruppen mit Informationen versorgen.
Aktuelle Tendenzen und innovative Konzepte der Magazinkultur
Bei dem diesjährigen Jäger & Sammler-Symposium mit anschließender traditioneller Jahresgaben-Präsentation am 11. Dezember (ab 14.00 Uhr) diskutieren Experten, Macher und Interessierte den Wandel in der Magazinkultur und die aktuelle Bedeutung des Magazins. Vorgestellt werden verschiedene erfolgreiche, innovative oder aus der Off-Kultur entstandene Magazine und vor allem ihre Macher und Macherinnen, wie etwa „dienacht“, vorgestellt von Calin Kruse, oder „Frieze d/e Magazin“, vorgestellt von Jennifer Allen.
Der Freundeskreis widmet sich diesem Themenkomplex aufgrund des bedeutungsvollen Wandels für den Fotografiediskurs – und seinem daraus resultierendem Entschluss, ein eigenes Magazin herauszugeben. Dieses Magazin wird gemeinschaftlich von Künstlern, Designern und Redakteuren innerhalb von 48 Stunden an diesem Wochenende in den Deichtorhallen entstehen, so dass Interessierte während des Symposiums Einblicke in das Magazinprojekt vor Ort erhalten. Die Verknüpfung von Magazinkultur und Fotografie im Kontext der Deichtorhallen soll zudem dazu anregen, die Entwicklungen auch im Hinblick auf die Rolle der Fotografie im digitalen Zeitalter zu reflektieren, zu diskutieren und neue Möglichkeiten für die Fotografie und den Fotografen innerhalb dieser Kultur aufzuzeigen.

Ausgabe 10 von „dienacht“
Das Projekt „48 Stunden – Ein Magazin“
Die Produktion eines Magazins im und für das Haus der Photographie ist eine Premiere. Dieses außergewöhnliche Projekt zeigt live, wie sich die Herstellung und der Umgang mit dem Medium Magazin im digitalen Zeitalter radikal verändert haben. Besonders die manuelle Produktion verdeutlicht diesen Wandel. Der mitwirkende Journalist York Pijahn beschreibt den Prozess der Magazinproduktion wie folgt: „Alles ist handgemacht. Denn die Redaktion, bestehend aus Textern, Art Direktoren, Grafikern, Fotoredakteuren, Fotografen, Illustratoren und Künstlern arbeitet an einem Heft, einem einzigen Exemplar, in das Texte und Fotos eingeklebt werden und Zeichnungen per Hand auf die Seiten gelangen. Ein Rennen gegen die Zeit und gleichzeitig eine Rückkehr zu einem Magazinjournalismus, den es heute so nicht mehr gibt. Eine Rückkehr zu Stofflichkeit und Haptik, hinzu kommt der Nervenkitzel an einem Unikat zu arbeiten, das nicht gelöscht oder einfach am Bildschirm korrigiert werden kann.
Am Sonntagabend, nach 48 Stunden, soll und muss unser Projekt fertig sein. Ein rund 100 Seiten starkes Heft wird dann vorliegen, das dann Seite für Seite abfotografiert und so reproduzierbar wird. Die Redaktion, circa 25 Kreative, wird 48 Stunden in den Deichtorhallen arbeiten und wohnen! Eine Mischung aus Kreativcamp und Medienzentrale. Besucher sind willkommen während des Rundgangs vor Ort alle Arbeitsschritte zu beobachten – Jeder Tastendruck, jeder Disput über Look, Form, Inhalt findet im öffentlichen Raum statt. 48 Stunden. Ein Magazin.“
Das Team, das dieses Projekt ins Leben gerufen hat, besteht aus erfahrenen Magazinmachern: York Pihjan, Journalist, Anja Kneller, Artbuying und Fotoredaktion, Jürgen Kaffer und Maja Nieveler, Art Direktion (ehem. Büro Hamburg).
Get-Together
Zum Abschluss findet die Jahresgaben-Präsentation mit einem Get-Together im Haus der Photographie statt. Diesmal werden Fotografien von den am Magazin-Projekt mitwirkenden Fotografen Willem Lund, Jens Boldt, Martin Schoberer, Kai-Uwe Gundlach, Kipling Phillips, Antonina Gern, Jürgen von Dückerhoff, Axel Martens und Cornelius M. Braun für die Mitglieder des Freundeskreises zum Vorzugspreis angeboten.
Das Programm:
14 Uhr Begrüßung, Karen From, 1. Vorsitzende des Freundeskreises
14.15 - 14.45 Uhr Das Magazin dienacht. Abseits des Mainstreams
Calin Kruse, Macher des Magazins dienacht
Magazin für Fotografie, Gestaltung und Subkultur
14.45 - 15.15 Uhr Frieze d/e: Global und Lokal
Jeniffer Allen, Frieze d/e Magazin
15.15 - 16.00 Uhr Vor Ort bei den Magazinmachern in den Deichtorhallen
York Pijahn und Jürgen Kaffer, Einführung in das Magazinprojekt
16.00 - 16.30 Uhr Pause
16.30 - 17.00 Uhr Raum für Printkultur
Jens O. Brelle, Medienanwalt
17.00 - 17.30 Uhr Wie man ein DIY Magazin selber macht
Anja Kellner, Chefredakteurin, CUT Magazine
Cut – Leute machen Kleider
17.30 - 18.00 Uhr Abschlussdiskussion
18.00 Uhr Präsentation der Jahresgaben und Get-Together
Anmeldungen per E-Mail bis zum 6. Dezember an: info@freundeskreisphotographie.de
Beitrag: 15 Euro für Nicht-Mitglieder / 10 Euro für Freundeskreis-Mitglieder
Eingestellt von Manfred Scharnberg in

