„Stern“ macht Johannes Erler zum Art Director
Ab Januar ist der Neue dran
Es hat lange gedauert. Seit Donald Schneider vor eineinhalb Jahren den Posten des Art Directors beim Stern räumte, führen Andrea Gothe (Fotografie) und Mark Ernsting (Grafik) den Job übergangsweise. Ab 1. Januar 2012 tritt nun Johannes Erler als Artdirector am Baumwall an. Der 46-Jährige, der in jungen Jahren beim berühmten Designer Neville Brody lernte und heute Vorstand des Fachbereichs „Editorial Design" beim Art Director's Club Deutschland ist, war lange Zeit Mitglied der Kreativagentur Factor Design. Dort ging es um die Positionierung großer deutscher Firmennamen und Institutionen, wie COR und Kabel Deutschland, Wempe, Deutsches Theater Berlin, Süddeutsche Zeitung und Süddeutscher Verlag – also hauptsächlich um Corporate Design.
Aufhorchen lassen die Beweggründe der Stern Chefredakteure. Neben den unbestritten hervorragenden gestalterischen Fähigkeiten loben beide Erlers Fähigkeit zur Markenführung. Andreas Petzold: „Mit Johannes Erler gewinnen wir nicht nur einen exzellenten Kreativen, sondern jemanden, der den Stern als journalistische Marke auf allen Ebenen visuell führen und weiterentwickeln kann." Und Thomas Osterkorn weist darauf hin, dass Johannes Erler „auch vertraut mit den großen Prozessen der Markenführung“ ist. Das erstaunt, denn genau dieses Vokabular ist vor allem in der Unternehmenskommunikation gebräuchlich.
Markentechnik oder Brand Management ist bei Wikipedia folgendermaßen erklärt: „Durch die Entwicklung und Führung einer Marke verspricht sich ein Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, der sich durch einen höheren Marktanteil und einen höheren Gewinn auszahlen soll.“ Nach Journalismus hört sich das nicht gerade an. Könnte dieser Sprachgebrauch ein Indiz dafür sein, dass in Verlagen heutzutage Presseerzeugnisse wie Konsumartikel behandelt werden? Klar, der Stern ist eine starke Marke. Doch, anders als bei einer Marke wie Nivea, unterliegt das Magazin einer besonderen gesellschaftlichen Relevanz und Ethik. Es bleiben die Hoffnung und die Zuversicht, dass unternehmerisches Denken nicht den Blick der Redaktion auf journalistisches Gespür und spannende Geschichten verstellt.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in

