Wo Aust sich einst austobte
Günter Zint über die Anfänge der St. Pauli Nachrichten
Anlässlich des 40. Geburtstages der St. Pauli Nachrichten – heute nur noch eine Sexpostille – blickt die Süddeutsche Zeitung in einem Interview mit Günter Zint auf Zeiten zurück, in denen Stefan Aust, Henryk M. Broder, Günter Zint und der Antiquitätenhändler Helmut Rosenberg mit dem Blatt eine linke Revolution anzetteln wollten.
Zint berichtet der SZ über die politischen Ambitionen der Gründer: „Wir waren etwas größenwahnsinnig und glaubten, bald die Regierung stellen zu können. Es war schließlich unsere Jugend! Als Helmut (Rosenberg) immer mehr auf die Nackedeis setzte, habe ich mich ausbezahlen lassen."
Zint über die Anpassungsfähigkeit von Stefan Aust: „Oh Gott im Himmel, hat der eine Wandlung durchgemacht! Stefan hat mit seinen Feinden ein paar Jahre später Sekt getrunken. Im Kopf war er wohl nie extrem, sondern immer ein Liberaler, der Macht wollte. Bei uns hat er sich ein bisschen ausgetobt."
Zint über die journalistischen Anfänge des geschassten Spiegel Chefredakteurs: „Strauss kam aus dem Wienerwald, da stellten ihn zwei Nutten kalt, und Angst und Schrecken über Venlo - wollte Franz-Josef Strauss Lufthansa-Jet kapern? Wenn man liest, wie Stefan (Aust) damals geschrieben hat! Mal sehen, vielleicht rafft er sich ja noch mal auf, jetzt, als freier Mann. Auf seine gesammelten Werke von damals war er auf jeden Fall ganz scharf."
Zu guter Letzt knöpft sich Zint noch die neue Journalistengeneration vor: „Heute regiert der vorauseilende Gehorsam. Früher sagte man, in Anlehnung an Egon Erwin Kisch, dass junge Journalisten ein paar Jahre kischen und dann kuschen. Heute kuschen viele von Anfang an - weil sich viele Journalistenschulen und Redaktionen schreibtischgerechte Leute heranzüchten. Viele Talente werden zu Verlautbarern von Pressemitteilungen und Zeitgeist.“
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
