Zeitschriften-Offensive bei Gruner + Jahr
Drei neue Männer Magazine
Bei Gruner + Jahr ist der Punk los. Nein kein richtiger, sondern der Business Punk. Für die entsprechende Pogo-Stimmung sorgt Vorstandschef Bernd Buchholz, zuletzt auf der Betriebsversammlung vor einer Woche – wie man so hört. Doch neben langen Monologen zu „Spiel mir das Lied vom Sparen“ ist bei Gruner + Jahr etwas Neues in der Bratröhre: BEEF!, Business Punk und Gala Men. Das sind drei Magazine, die ab Donnerstag auf den Testmarkt kommen sollen. So richtig was für den Mann. Und so richtig mutig – mitten im Medienkrisenherbst, wenn die Blätter fallen.
Beef steht in Deutschland gleich zweimal auf den Speiseplan der Leser. Einmal als beef in Kleinschreibweise, das „Magazin für kreative Kommunikation“, herausgegeben vom Artdirectors Club und HORIZONT. Das Rindfleisch aus dem Hause Gruner + Jahr wird in Versalien geschrieben und ist mit einem Ausrufungszeichen versehen. Der Untertitel von BEEF!, „Für Männer mit Geschmack“, könnte zwar für beide Titel gelten. Doch nur das Gruner + Jahr Magazin ist etwas für den Magen. Chefredakteur Jan Spielhagen hat das Kochmagazin für den kulinarisch ambitionierten Mann angerichtet, das quartalsweise erscheinen soll.
Cover der ersten Gruner + Jahr Ausgabe der Kochzeitschrift BEEF!
Und so sieht das beef für die Kommunikationsbranche aus.
Wie sollte die Titelgeschichte des ersten Magazins mit dem Namen BEEF! wohl heißen? Richtig: „Das beste Steak der Welt“. Neben dem Menü des Monats gibt es etliche Rezepte und Weinempfehlungen zu lesen. Das Heft ist grafisch edel gemacht, mit aufwändiger Fotografie. Dass es „mehr bietet als ,Leichte Nudelrezepte, die Kinder mögen'“ meint Chefredakteur Jan Spielhagen.
Kochen ist gefährlich: Doppelseite aus der ersten Ausgabe von BEEF!
Gala Men spreche dagegen den Mann an, „der nicht mehr in klassischen Geschlechterrollen denkt“, meint Chefredakteur Peter Lewandowski. Das Blatt sei für „gut betuchte Familienväter mit Interesse an Mode und Beauty, die gleichzeitig bodenständig und aufgeklärt sind“ konzipiert. Offensichtlich kennt er seinen Leser schon: Es sei der Mann, der in sich ruhe, älter als 30 ist und Geld hat, das er bewusst ausgibt – natürlich alles mit sozialer Verantwortung.
Cover von Gala Men
Business Punk ist offenbar etwas für die ganz Harten. In diesem Wirtschaftsmagazin sollen die deutsche Wirtschaft und deren Macher aus einer unkonventionellen Perspektive dargestellt werden. Das klingt verdammt nach Brand Eins. Mit dem Untertitel bleibt die hohe Latte, die Gabriele Fischer vorgibt, allerdings unerreicht: „Work hard, play hard“ – Das könnte irgendeiner FDP-Wahlwerbung entnommen sein und ist sinnigerweise auch in Gelb unterlegt. Motto und Titel des Magazins sind an ein Zitat eines Wall-Street-Bloggers angelehnt: „We like to work hard. We like to play hard. We love money and all the happiness it brings us. We like to close the bar at 4 am on a Monday night and be at the office a few hours later. We are 'BusinessPunks'.“
Da scheinen die Blattmacher gerade mit den Richtigen zu flirten: mit den bonusabhängigen Adepten, die mit ihrer Bastelanleitung zur Wirtschaftskrise sehr erfolgreich waren. Mal schauen, ob die Blattmacher, wenn Sie an Börse denken, nur die eigene meinen. Nach Verlagsangaben richtet sich das Heft an die „Leistungselite der Generation Xing“. Die Redaktionsleitung wird Financial Times Deutschland Redakteur Nikolaus Röttger antreten, der Business Punk mit anderen G+J Kollegen entwickelt hat.
Titelbild von Business Punk
Na dann: Viel Glück am Donnerstag beim Testballon steigen lassen. Vielleicht werden sie ja regelmäßig am Medienhimmel erscheinen. Zunächst sind sie nur als so genannte One-Shots geplant.
Eingestellt von Manfred Scharnberg in
