Der Bauer unter den Verlagen

Ausschnitte eines Sittengemäldes

 

Neuerdings versucht der Bauer Verlag auch in Großbritannien neue Verträge einzuführen, die bei Fotojournalisten auf erheblichen Widerstand stoßen. Über die Lage in Deutschland hatten wir bereits berichtet. Hier kassierte die Heinrich Bauer Achat KG vom Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung, mit der ihr verboten wird, Fotografenverträge zu verwenden, die das Rechtsprinzip der angemessenen Honorierung verletzen.

Auch in England will man den Urhebern praktisch alle Rechte für immer und ewig abtrutzen. „Dies entspricht einem klaren Transfer des Copyrights von den freien Fotografen an die Verlage, den man als horrend bezeichnen muss“, sagt John Toner von der National Union of Journalists gegenüber dem British Journal of Photography, „Wir arbeiten daran, dass die Freiberufler gegen den Vertrag Widerstand leisten. Diese Bedingungen erwartet man nur von einem Einbrecher. Wenn Bauer mit professionellen Journalisten zusammen arbeiten möchte, muss der Verlag begreifen, dass dies auch professionelle Konditionen erfordert.“

Bauer Media ist eins der größten Verlagshäuser im Königreich, das unter anderem Blätter wie Closer, Grazia, FHM, Practical Photography und Empire herausbringt. Der Verlag argumentiert, dass die veränderte Medienwelt erfordere, journalistische Inhalte in unterschiedlichen Medien des Verlages mehrfach zu verwenden. Warum sie für das mehr an Nutzwert nicht einfach mehr Geld auf den Tisch legen, darüber äußerten sie sich nicht. Die Meinung einiger Fotografen: Bauer verwechsle dabei wohl Buy Out – was ja eindeutig etwas mit einem Kauf zu tun haben müsse – mit Ausplünderung.

In Deutschland hat Bauer mit einigen Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen, wobei es oft um das Verhältnis zu ihren angestellten Mitarbeitern geht. Wie der Spiegel berichtet, hat der Betriebsrat eine Anzeige beim Amt für Arbeitsschutz gegen Bauer gestellt. Es geht dabei um den ruppigen Umgang beim Schließen der Redaktionen von Wohnidee und Laura Wohnen kreativ. Im November 2009 teilte Bauer mit, dass beide Titel nach München verlegt werden. Gleich nach der Bekanntgabe wurden alle Mitarbeiter freigestellt und aufgefordert, ihre Schreibtische sofort zu räumen. Bereits wenige Stunden später wurden die Büros abgebaut. Der Betriebsrat sieht dabei seine Rechte verletzt.

Verlags Internas zufolge strukturiere Bauer sein Firmenimperium derzeit um, teile es in lauter kleine Firmen auf. Die Vermutung von Mitarbeitern: Weil Firmen mit wenigen Mitarbeitern kein Anrecht auf freigestellte Betriebsräte mehr haben, wolle der Verlag die Mitarbeitervertretung in ihren Möglichkeiten beschränken. Das wird auch als Hintergrund bei der Kündigung von zwei Betriebsratsmitgliedern mutmaßt. Bauers Argumentation: Bei beiden Schlussredakteuren greife die betriebsbedingte Kündigung. Denn die Auflösung der Schlussredaktion käme einer Betriebsstilllegung gleich. Bauer wurde vom Gericht auf Weiterbeschäftigung verdonnert.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in