Zu einer experimentellen Foto-Ausstellung mit dem Titel "Filmriss", die nur für einen Abend in einer leer stehenden Südstadtwohnung zu sehen ist, laden der Bonner Fotograf Volker Lannert und der Bonner Kurator Jörn Borchert ein. Zu sehen ist eine künstlerische Bild-Dokumentation von den Überresten der Internationalen Film-Union, eines einst renommierten Synchronisationsstudios nahe Remagen mit angeschlossenem Kopierwerk. Noch Jahrzehnte nach Einstellung des Produktionsbetriebs lagerten in den Studioräumen Filmrollen, Drehbücher, Projektoren und Geschäftskorrespondenz – unberührt und für die Öffentlichkeit verschlossen. Einige Archivalien und technische Objekte wurden noch vom Deutschen Filminstitut (DIF)/Frankfurt am Main gesichert, bevor das Tonstudio im Herbst 2009 abgerissen wurde.
In Volker Lannerts atmosphärisch dichten Aufnahmen spiegelt sich die schicksalhafte Vergangenheit der IFU; die stehengebliebene Zeit im Calmuth-Tal zwischen Remagen und Oberwinter. Die Ausstellung ist gleichzeitig eine Dokumentation des „Lebensabends“ der IFU und ihres Todes. Eine schöne Leiche, die Lannert und Borchert dort gefunden haben.
Die Ausstellung mit dem Titel „Filmriss“ findet am Sonntag, 11. April, in der Kaiserstraße 117, im 1. Stockwerk statt. Beginn ist um 17 Uhr, Ende offen, der Eintritt ist frei.
Ein Einblick in die IFU-Fotografien von Volker Lannert sind unter folgendem Link möglich:
http://www.vlannert.de/Lannert/gallery4.html
Hintergrund zur IFU:
In den Räumen der Internationalen Film-Union GmbH Remagen (IFU) im Calmuth-Tal gaben sich einst Stars der Nachkriegszeit die Klinke in die Hand. Bis in die siebziger Jahre wurden dort Filme produziert, vertont und synchronisiert. Romy Schneider, Hildegard Knef arbeiteten dort, Fernandel als Don Camillo bekam dort seine deutsche Stimme. Viele Dick-und-Doof Filme wurden dort ebenfalls eingedeutscht. Nicht nur nebenbei produzierte man auf der Calmuth bis in die 80er Jahre die bekannte Filmwochenschau „Blick in die Welt“. Nach mehreren Besitzerwechseln musste die IFU 1996 für immer die Tore schließen – und blieb jahrelang der Öffentlichkeit verschlossen.