MAGAZIN #33

Schwarmintelligenz: Was, wenn die eigene Arbeit mit Almosen abgespeist wird? Und die Kontrolle über das eigene Werk schwindet? Professionelle Urheber schwimmen gemeinsam gegen den Meinungsstrom der Netzgemeinde.

Schwarmintelligenz: Was, wenn die eigene Arbeit mit Almosen abgespeist wird? Und die Kontrolle über das eigene Werk schwindet? Professionelle Urheber schwimmen gemeinsam gegen den Meinungsstrom der Netzgemeinde. Foto: Thies Rätzke

Auf Augenhöhe

Editorial –

Bertram Solcher

Ich fotografiere. Ich mache das beruflich. Ich verdiene damit meinen und den Lebensunterhalt meiner Familie. Bin ich also »Kulturschaffender«, Künstler?

Ich sehe mich nicht als Künstler, ich weiß nicht, ob ich Kultur schaffe. Ich bin Unternehmer! Ich habe ein Produkt, das ich anderen Menschen verkaufe. Wer dieses Produkt haben möchte, der kann es erwerben, entweder in dem er Geld für bereits vorhandene Fotos ausgibt oder in dem er mich beauftragt, maßgeschneiderte Bilder zu machen. Eigentlich ganz einfach: Wem mein Produkt gefällt und wer bereit ist meinen geforderten Preis zu bezahlen, kommt mit mir ins Geschäft. So habe ich das viele Jahre gemacht und war glücklich damit. Dann kamen die ersten Zeitungen und legten mir Verträge vor: Sie wollten meine Bilder haben, um sie weiterzuverkaufen. Eine Kooperation sollte das sein, ich 40%, sie 60%. Kooperation auf Augenhöhe sieht anders aus. Ich wollte das nicht. Da war dann allerdings noch ein Haken, den ich übersehen hatte: Wenn ich diesen Kontrakt nicht unterzeichnen würde, so sagte man mir, müsse man von einer weiteren Zusammenarbeit mit mir absehen. Wie gesagt, Kooperation auf Augenhöhe.

Ich habe mich dann von einem Teil meiner Auftraggeber trennen müssen. Andere Fotografen bekamen andere Verträge vorgelegt. Jetzt wollte man nicht nur die Bilder weiterverkaufen, man wollte die Bilder mit allen Rechten und für immer haben, mehr bezahlen wollte man allerdings nicht. Empfinden sie das schon als ungerecht? Warten sie, es geht noch weiter: Selbige Zeitungsverlage fordern jetzt ein Leistungsschutzrecht für die »Veredelung« von Werken. Dieses Leistungsschutzrecht soll nun sowohl den »Veredler«, also die Zeitung, als auch den Urheber gleichmäßig berücksichtigen und entlohnen. Klingt doch gar nicht so schlecht, oder? Ist Ihnen was aufgefallen? Der Fotograf, also der Urheber, derjenige der die Bilder gemacht hat, der seine Intelligenz, Kreativität und Ausrüstung eingesetzt hat, der wird nichts mehr bekommen, der ist ja schon »bezahlt« worden. Klingt nicht nach einem fairen Modell, sondern nach einer ziemlich clever vorgetragenen Idee der Verlage. Aber es geht ja noch weiter: Nach dem Willen der sogenannten Nutzergemeinde, das sind die, die Sie von den Piratenkongressen kennen, soll ich meine Fotos jetzt jedem, jederzeit umsonst zur Verfügung stellen. So soll ich z.B. Künstlern mit meinen Werken die Erstellung neuer Werke ermöglichen.

Nee, Leute noch einmal: Meine Werke kann jeder auf meinen Webseiten sehen, mit Künstlern, die mich ansprechen tausche ich mich auch gerne aus, vielleicht ergibt sich daraus eine Kooperation auf Augenhöhe, aber ich bin Unternehmer! Ich weiß, dass meine Arbeit einen Wert hat und ich möchte auch weiterhin von meiner Arbeit leben.