MAGAZIN #23

Der Kampf um den Content

Längst passé die Zeiten, als es um Aussagen oder Stilfragen von Fotos ging: Der globale Bildmarkt kennt nur noch bunte Flächen, die zur Umsatzmaximierung dienen.

Editorial –

Kay Dohnke

Es gibt mehr Bilder denn je auf dem Markt, und es werden mehr Bilder denn je verkauft – von immer weniger Händlern. Und die zahlen immer mehr Fotografen immer weniger Honorar.

Das klingt irgendwie absurd, gehorcht aber nackten Marktgesetzen: Wer die Verfügungsmacht über Waren hat, diktiert auch die Preise und bestimmt, wer mitmachen darf.

Beherrscht wird auch das Wie: Stock-Agenturen hecken derzeit immer neue Geschäftsmodelle aus. Ob Flatrate, Abonnement oder Gratisfotos, ob Monopolisierung des Angebots durch Übernahme von Konkurrenten oder Ausbau der Marktposition durch umfassende Rechteeinräumung: Die Neuformulierung der Regeln, wie Bilder gehandelt werden, beeinflusst maßgeblich, wessen Fotos verkauft werden.

Von den unabhängigen Fotografen ist daher mehr gefordert als nur das Liefern von Qualitätsarbeit: Gefragt sind clevere Konzepte, wie man dem anspruchsvollen Kunden den Bildkauf möglichst einfach machen kann: Niemand will sich mehr registrieren lassen, ehe er die Ware ansehen darf, komplizierte Abrechnungsmodi sind out.

Ein Wochenmarkt für Bilder, auf dem man die absolut frische Ware an einer einzigen Kasse bezahlt statt eines Fotosupermarktes, wo eingeschweißte Fabrikware über den Scanner gezogen wird – das wär’s! Unternehmungslustige Kollegen zeigen längst, wie das erfolgreich funktionieren kann!