MAGAZIN #18

Der Preis der Zukunft

Der Computer hat die Schreibmaschine verdrängt, die Vinyl-Platte musste der CD weichen – und nun kommt die digitale Fotografie. Negativstreifen und Dia ade?

Editorial –

Kay Dohnke

Alle Welt spricht von digitaler Fotografie, und immer mehr Bilder entstehen ohne traditionellen Film. Der Trend ist unaufhaltsam – kein Wunder, entspricht er doch optimal den Anforderungen eines Marktes, in dem Schnelligkeit und simple Weiterverarbeitungsmöglichkeiten des Produktes als wichtige Kriterien gelten.

Bei aller Euphorie seitens der Industrie und der Bilderhändler wird eines leicht übersehen: Digitale Fotografie ist keine ästhetische, sondern eine technische Neuerung – und noch längst keine Revolution oder grundlegende Weiterentwicklung der Fotografie an sich. Zudem ist sie noch mit deutlichen Qualitätsmankos behaftet, etwa wenn man die Bilder großformatig drucken will. Bestimmt noch bis zur übernächsten Generation digitaler Kameras wird gelten: wenn gut, dann teuer – und wenn besser, dann noch teurer.

Für digitale Fotografie spricht also derzeit keine technische Überlegenheit, sondern die praxisgerechtere Weitergabe der Aufnahmen – jedenfalls aus Sicht der Bilderhändler und Fotografen, die sich Hardware-Investitionen und den nötigen Zeitaufwand leisten können und wollen. Die Erwartung ist klar: Was digital angeliefert wird, lässt sich einfacher nutzen. Wer nicht von vornherein digital fotografiert, muss sich dann halt an den Scanner setzen.

Derzeit wird unter Fotografen oft über das Für und Wider der neuen Technik diskutiert. Viel wichtiger aber ist, die Veränderungen des Marktes im Blick zu behalten, denn dort werden derweil die Karten neu gemischt. Je stärker die digitale Technik Raum greift, desto deutlicher werden sich Regeln und Lasten verändern – und letztere gewiss zuungunsten der Urheber.

Schon jetzt wird ganz selbstverständlich erwartet, dass man teure Technik anschafft oder die analog entstandenen Fotos aufwändig einscannt und bearbeitet. Nur um denselben Preis wie vorher für ein Dia zu erzielen. Oder gar weniger: Man habe ja keinen Materialaufwand mehr gehabt, ist bereits von einzelnen Verwertern zu hören, und alles gehe so schnell – da dürfe man also für Fotos auch nicht mehr so viel in Rechnung stellen.

Analog oder digital? Der Umstieg auf die neue Technik ist für viele Profis nur noch ein Abwägen des richtigen Augenblicks. Um aber weiterhin von seiner Arbeit leben zu können, müssen viel wichtigere Aspekte geklärt werden.

Kleiner Trost für Traditionalisten: So wie es nach wie vor Schreibmaschinenfarbbänder und Vinyl-Schallplatten gibt, wird es sicherlich immer auch Dia- oder Negativfilme geben. Was aber nur noch für wenige Kollegen relevant sein wird, um im Geschäft zu bleiben.