MAGAZIN #17

Finnland – Land der Fotografie

Neben Esko Männikkö arbeiten in Europas hohem Norden viele qualifizierte Fotografen – Zeit für die Entdeckung einer bislang nur wenig beachteten Szene.

Text –

Enno Kaufhold

Aki Kaurismäki – das ist ein Name, der hier zu Lande in aller Munde ist; die Filme des finnischen Regisseurs haben Kultcharakter. Doch wem sagen die Fotografennamen Jorma Puranen, Jan Kaila, Kapa, Ulla Jokisalo, Pertti Kekarainen oder Pentti Sammallahti etwas, und wer verbindet damit konkrete Bilder? Obwohl Finnland mit seinen gut fünf Millionen Einwohner gerade so viele Köpfe zählt wie Berlin und Hamburg zusammengenommen, kann es seit den 90er Jahren nicht nur beachtliche wirtschaftliche Erfolge vorweisen, sondern hat auch eine relativ große Zahl renommierter Fotografen und Fotokünstler hervorgebracht.

In Tampere, Jyväskylä, Oulu, Turku, Rauma, Lathi und anderen Städten existieren zwar die unterschiedlichsten Ausbildungsstätten, die University of Art and Design in Helsinki nimmt jedoch eine Vormachtstellung ein. Nachdem sie 1987 umstrukturiert wurde und neue Räumlichkeiten bekam, sind dort derzeit rund 1.600 Studenten in 17 Fächern eingeschrieben, darunter auch Fotografie. Was die nationale Repräsentanz der Fotografie betrifft, so ist dafür das gerade renovierte und schon länger in einer alten Kabelfabrik untergebrachte Museum für Fotografie in Helsinki mit einer dauernden Präsentation sowie wechselnden historischen und zeitgenössischen Ausstellungen zuständig. Die 1988 gegründete »Union of Artist Photographers« vereint heute gut 200 Mitglieder und vertritt deren professionelle, wirtschaftliche sowie soziale Interessen. Als Ausstellungsraum betreibt die Union in Helsinki die Galerie »Hippolyte«.

Die journalistische Fotografie ist in der »Finnish Society of Press Photographers« organisiert. Als publizistisches Organ existiert das Kamera Lehti Magazine. Die im letzten Jahr in Oulu durchgeführte fünfte Foto-Triennale sowie die im Herbst 2002 in Tampere zum sechsten Mal stattfindende Foto-Biennale mit dem Thema »Interaction« sowie die Tatsache, dass an der Universität in Tampere Fotojournalismus studiert werden kann, untermauern die landesweiten fotografischen Aktivitäten. Neben den teils mehrjährigen (!) staatlichen Stipendien sorgt die Institution »Frame. Finnish Fund for Art Exchange« für die Präsentation finnischer Künstler im Ausland.

Ungeachtet aller Vorbehalte, die bei solchen Generalisierungen anzumelden sind, lassen sich drei thematische Felder benennen, die in der zeitgenössischen finnischen Fotografie dominieren: die bildnerischen Auseinandersetzungen mit Natur (Ritva Kovalainen, Jorma Puranen, Kapa, Armi Laukia), eine exponierte feministische Fotografie (Ulla Jokisalo, Heidi Tikka, Heli Rekula, Marja Pirilä) und schließlich solche Fotografien, die das gesellschaftliche Leben thematisieren – sei es, dass sie dem Leben unmittelbar abgerungen werden (Esko Männikkö, Pentti Sammallahti) oder es in Inszenierungen parodieren bzw. ironisieren (Henrik Duncker, Pekka Turunen, Yrjö Tuunanen). Ungeachtet der divergierenden Sujets kann von einem hohen technischen wie ästhetischen Standard gesprochen werden, der – anders als die geografische Lage Finnlands – ganz und gar nicht randständig ist. Deshalb wäre der finnischen Fotografie in der Bundesrepublik auch mehr Beachtung zu wünschen.