MAGAZIN #03

Honorarbazar bei der Wochenpost

Fotografenhonorare bei der Berliner Wochenpost.

Text –

B.Kannt

Die Berliner Wochenpost macht es wie ein Großteil der deutschen Zeitungen, Zeitschriften und Magazine: Die Fotografenhonorare sind für alle gleich, aber einige Fotografen werden »gleicher« entlohnt. Natürlich wird diese Tatsache von den Redaktionen, vor allem aber von den »gleicher« bezahlten Fotografen in der Regel tunlichst verschwiegen. Die Fotoredaktion der Wochenpost scheint in einer Mischung aus Naivität und Kalkül aber davon auszugehen, daß die für sie arbeitenden freien Fotografen überhaupt keinen Kontakt untereinander haben. Denn zwischen den gezahlten Honoraren liegen Spannen von mehreren hundert Prozent.

Je nach Verhandlungsgeschick, Unwissenheit oder Dumpingbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen bewegt sich das Tageshonorar in einem Spektrum zwischen 200 DM inklusive Material und 600 DM plus Ersatz der Materialkosten. Drastischer noch zeigen die Sätze für Titelfotos, daß die Honorartarife der im Berliner Verlag erscheinenden Wochenzeitung einem hausinternen, nicht nachvollziehbarem »DAX« unterliegen: Für Titelproduktionen beginnt der Honorarkurs bei 300 DM inklusive und reicht bis 800 DM plus Material. Für Titelfotos aus dem Archiv werden zwischen 300 und 1000 DM gezahlt. Wird ein produzierter Titel nicht gedruckt, wird dem Fotografen schon manchmal großzügig ein Hunderter als Ausfallhonorar angeboten.

Solche Niedrig-Honorare sind natürlich nur möglich, solange es FotografInnen gibt, die bereit sind, zu diesen Konditionen zu arbeiten. Gerade in den Zeiten eines immer härter umkämpften Marktes sollten diese Fotografen erkennen, daß durch das Akzeptieren solchunverschämter Honorarangebote nicht nur Kollegen mit angemessenen Forderungen die Arbeitsgrundlage genommen wird, sondern sie selbst draufzahlen und am Ende die Dummen sind. Apropos Dummheit: Die Begründung eines Wochenpost-Fotoredakteurs für ein Titelhonorar in Höhe von 300 DM lautete wörtlich: »Das ist doch aus dem Archiv. Da hattest Du doch gar keine Arbeit mit.«