MAGAZIN #26

Laufbahnen

Ein Fotografiestudium ist keine Garantie für eine Karriere – aber es kann nützlich sein. Doch auch Autodidakten haben ein gute Chance, sich zu profilieren, meint Andreas Trampe, Leiter der Stern Bildredaktion.

Text –

Manfred Scharnberg

Fotografenkarrieren sind so bunt und vielfältig wie der Beruf selbst. Quereinsteiger und Autodidakten sind keine Seltenheit. Nur einige Beispiele: Andreas Herzau arbeitete als Schriftsetzer, Paul Langrock hat eine Ausbildung zum Psychologen, Karl Johaentges war Architekt und Frank Schinski begann als Maurer. Etliche kommen zur Fotografie, indem sie ihr Fachgebiet dokumentieren. Der ehemalige Arzt Stephan Elleringmann begann seine Fotografenlaufbahn mit medizinischen Themen. Inzwischen reicht sein Repertoire von aufwendiger Wissenschaftsfotografie bis zur klassischen Reportagen. Nicht selten gelingt auch der Schritt von einer handwerklichen Fotografenlehre in den Journalismus. Auch der Weg von Fotoamateuren über Praktika und Assistenzen in den Beruf wird immer wieder beschritten.

Ist also ein Fotografiestudium entbehrlich? Zumindest hat sich unter den Fotojournalisten seit Jahren der Anteil der Absolventen eines Studiums wesentlich erhöht. »Heute ist es eher die Regel, dass Fotografen eine solide Ausbildung einer Fotoschule haben«, berichtet Andreas Trampe, Bildchef beim Stern.

Offenbar hat sich aber auch bei der Ausbildung etwas getan. »Früher hatte man das Gefühl an Hochschulen würde irgendwo im virtuellen Raum gelehrt. Manchmal hatten Studienabgänger schon sonderbare Vorstellungen vom Redaktionsalltag. Das ist heute wesentlich besser geworden«, urteilt der Bildredakteur. »Man merkt deutlich, dass Lehrende verstärkt aus der Berufspraxis kommen. Sie machen einen Unterricht der künstlerische Freiheit zulässt, aber auch auf die Realität im Arbeitsalltag vorbereitet.«

Hat man mit einem Studium einen Vorteil? »Zumindest gibt es eine Gemeinsamkeit, das ist ein sehr strukturiertes Denken«, sagt der Stern Bildchef, »Absolventen versuchen eine Fotografie zu pflegen, die eine Bedeutung hat«. Allerdings: Bei der Auftragsvergabe spielt ein Studium keine Rolle. »Wenn uns jemand eine Mappe vorlegt, die durchdacht ist und tolle Fotografie zeigt, wird niemand gefragt, welche Noten er im Examen gemacht hat«, sagt Andreas Trampe, »bei uns zählt allein die fotografische Leistung«.

Autodidakten, die sich ein Netzwerk schaffen, Kontakte nutzen, um ihre Fotografie zu entwickeln; Leute, die den Markt begreifen, haben also durchaus eine Chance. »Bruno Stevens ist ein wunderbares Beispiel für einen Quereinsteiger, der sich furchtlos auf die Schauplätze der Welt begibt und seinen Weg gemacht hat«, berichtet Trampe. Der belgische Fotojournalist arbeitete bis vor sechs Jahren noch als Tontechniker und ist für seine fotografische Arbeit bereits zweimal mit dem World-Press-Preis ausgezeichnet worden. »Fotograf ist nach wie vor eine freie Berufsbezeichnung« ,betont Andreas Trampe, »und das ist auch gut so«.