MAGAZIN #23

Pseudo-Ruhm für wenig Geld

Die Szene hat ein neues Zauberwort: Micropayment-Agenturen. Man könnte sie auch Billigheimer nennen – jene, die versuchen, die Preisspirale für Fotos auf null herunterzudrehen. Einblicke in das neue Marktsegment.

Text –

Kay Dohnke

Schneller Verdienst mit eigenen Fotos – das klingt besonders für Laien verlockend. Zunehmend suchen Stock- Agenturen neuen Typs, mit derlei Versprechungen an Material heranzukommen. Den Kunden werden die Bilder dann zu Dumping-Preisen verkauft, alle Nutzungsrechte inklusive. Oder die Fotos werden sogar gratis abgegeben.

Was iStockPhoto.com aus Kanada im Jahr 2000 einigermaßen lukrativ gestartet hatte, fand schnell Nachahmer: Fotos zu absoluten Niedrigstpreisen müssten sich doch wie geschnitten Brot verkaufen lassen – Bedarf an Illustrationsmaterial gibt es schließlich immer und überall, und Preis-Dumping ist das Gebot der Stunde. Firmen wie dreamstime.com und Fotolia kopierten kurzerhand das Konzept: Man lässt sich von Amateuren Fotos schicken und stellt davon ins Netz, was einigermaßen verwertbar ist. Und ShutterStock rühmt sich, von 15.000 Fotografen beliefert zu werden – eine Qualitätsprüfung des Materials wird da wohl kaum stattfinden können.

Wenn aber – realistisch betrachtet – bei Verkaufshonoraren ab 20 Cent nicht der große Reibach Motivation sein kann, um Bilder ins Netz zu stellen – warum werden Micropayment-Agenturen dann mit Fotos zugeschüttet? Die Betreiber gehen davon aus, dass viele Amateure einfach stolz darauf sind, wenn ihre Fotos gedruckt werden. Die Agentur Bildunion stellt den Kunden immerhin die Kontaktdaten der Fotografen zur Verfügung, um so künftig direkte Auftragsarbeiten zu ermöglichen – ein seltenes Extra.

NEUE BUSINESS-PARTNER

Bleibt es aber beim Absatz via Agentur, lautet die Hoffnungsformel »Kleiner Preis + kleiner Aufwand = großer Umsatz«. Diese Rechnung geht in der Praxis umso weniger auf, je mehr Zulieferer eine Agentur hat. Und je weniger Sorgfalt darauf verwendet wird, das Bildmaterial kritisch zu sichten, desto schneller springen mögliche Interessenten auch wieder ab, wenn sie sich durch minderwertige Zweit- und Drittschüsse geklickt und immer wieder an die Werke wenig talentierter Knipser geraten sind. Wobei es eine Tatsache ist, dass auch professionelle Fotografen ihre Arbeiten auf die Anbieterseiten hochladen.

Fast leer ausgehen dürften auch die Fotografen, deren Arbeiten gratis abgegeben werden – sie erhalten nur einen Anteil an den Werbeeinnahmen der Banner auf der Agenturseite. Eine Kontrolle der tatsächlichen Umsätze ist unmöglich.

Realistisch lässt sich kaum einschätzen, welche Marktanteile die Billigagenturen real erobern – denn da sie zur Diversifikation des Angebots beitragen und Bilder für Nutzer attraktiv machen, die angesichts der bislang üblichen Preise wohl nie Fotos eingekauft hätten, ist der Konkurrenzfaktor nicht zu ermessen. Etwas Neues haben die Geschäftsaktivitäten jedoch gebracht: Visuell-Chefredakteur Stefan Hartmann weist darauf hin, dass Micropayment-Agenturen in verstärktem Maß direkt an Consumer verkaufen und nicht an traditionelle Business-Kunden wie Verlage oder Werbeagenturen.

GUTE FOTOS FÜR NICHTS

Wenn sie also Abnehmer ansprechen, die dem gängigen Stockagentur-Geschäft fern standen – sind die Konzepte von pixelquelle.de, twicepix.net und anderen dann nicht zu vernachlässigen? Einerseits ja – denn sie bilden wohl noch keine Bedrohung für ambitionierte und seriöse Bilderhändler. Andererseits nein – denn sie legen auch den Business-Kunden den Gedanken nahe, dass man Bildmaterial auch für noch weniger Geld bekommen können müsste.

Skandalös ist jedoch das Angebot der dpa-Tocher News Aktuell: Auf ihrer Seite presseportal.de kann man 23.000 PR-Bilder honorarfreie herunterladen – und die sind nicht selten für teures Corporate-Geld professionell produziert worden.

Micropayment-Agenturen werden im Fotomarkt präsent bleiben. Immerhin: Für iStockPhoto.com ließ Getty 50 Millionen Dollar springen. Denn wenn schon an Bildern verdient wird, soll der Gewinn doch besser bei Getty hängen bleiben – auch winzige Beträge summieren sich.