MAGAZIN #35

Bevor sich die Schüler der Dehradun Public School auf die Suche nach ihrem Bild von der Welt machen, führt Reza Nadji sie in das für sie neue Medium Fotografie ein.

Bevor sich die Schüler der Dehradun Public School auf die Suche nach ihrem Bild von der Welt machen, führt Reza Nadji sie in das für sie neue Medium Fotografie ein. Foto: IFB

Voneinander lernen – weltweit

Vor zwei Jahren wurde die FREELENS Foundation gegründet. Inzwischen konnten durch die eingenommenen Spendengelder erste Projekte realisiert werden – in Indien und im Westjordanland, in Libyen und Myanmar.

von –

Paula Tamm

Dehradun Public School, Indien. Friederike Kalz und Reza Nadji kommen mit 20 Digitalkameras und einem Plan: Hier und in Tamil Nadu im Süden des Landes wollen sie rund 100 Kindern und Jugendlichen erste Einblicke in die Fotografie ermöglichen. In einem Land, in dem selbstgemachte Fotos keineswegs selbstverständlich sind, unterrichteten die beiden Fotografen des Instituts für fotografische Bildung in Berlin im Frühjahr 2013 in verschiedenen Schulen, sozialen Einrichtungen und Waisenhäusern mehrere Schülergruppen im Umgang mit dem Medium Fotografie. Sie gaben ihnen die Chance, sich mit Hilfe der Fotografie neue Ausdrucksmöglichkeiten zu verschaffen. Über acht Wochen entstanden so konzeptionelle und künstlerische Arbeiten ebenso wie kleine Dokumentationen des Alltags, Serien über Dorfkrankenhäuser oder Verwandte – aber auch politische Bilder zu Umweltverschmutzung oder Entwaldung. Jeder Teilnehmer des Projekts »I Can Show You« musste seine Bilder am Ende der Woche vor der Gruppe präsentieren – auch das eine für die sonst nur Frontalunterricht gewohnten Kinder vollkommen neue Erfahrung.

In geschützter Atmosphäre wird in Libyen über die entstandenen Fotos gesprochen.

In geschützter Atmosphäre wird in Libyen über die entstandenen Fotos gesprochen. Foto: Antonia Zennaro

Ortswechsel. Libyen. Ein Land, erschüttert und traumatisiert von Revolution und Bürgerkrieg. Antonia Zennaro arbeitete hier 2013 an einer Reportage über Frauen, die während der Revolution Opfer von Vergewaltigung und Gewalt geworden waren. Und sie sah deren Bedürfnis, sich auszudrücken. Die Notwendigkeit, Erlebtes und Ertragenes »sichtbar« und erzählbar zu machen – ohne Worte. Einige Monate später flog sie wieder hin. Im Gepäck Digitalkameras, einen kleinen Drucker und Fotopapier. Ihr Workshop mit Bewohnerinnen eines Frauenhauses fand aus Sicherheitsgründen in einem Privathaus statt. Antonia Zennaro gab den teilnehmenden Frauen mit der Fotografie ein Mittel an die Hand, Unausgesprochenes zu erzählen und ihren Erinnerungen, Gefühlen und Ängsten einen Stellenwert zu geben – in einer Gesellschaft, in der die Gleichberechtigung noch in ihren Anfängen liegt. Da es die Umstände der Fotografin nicht erlaubten, längere Zeit in Tripolis zu bleiben, konnte es sich nur um einen ersten Versuch handeln, fotografisches Wissen zu vermitteln und Anregungen zu geben. Doch sie will auf jeden Fall zurückkommen und weiter mit den Frauen arbeiten.

In Yangon realisiert Nora Bibel die Ausstellung »3+1: What does Democracy mean to you?«.

In Yangon realisiert Nora Bibel die Ausstellung »3+1: What does Democracy mean to you?«. Foto: Nora Bibel

Ähnlich und doch ganz anders erging es Nora Bibel in Myanmar. Auch sie sieht die beiden Kurzworkshops, die sie dort veranstaltete, eher als den Anfang einer Entwicklung, die sie unbedingt weiter vorantreiben möchte. Aufgrund der desolaten Situation der Bildungsinstitutionen in Myanmar konzipierte sie zwei fotografische Workshops. Eigentlich im Land, um ein eigenes Fotoprojekt zu realisieren, wollte sie auch etwas »dort lassen« und ihr fotografisches Wissen mit jungen angehenden Künstlern und Fotografieinteressierten teilen. Während beim ersten Workshop in Yangon aus den Serien der Teilnehmer eine Ausstellung entstand, die sogar im neu eröffneten Goethe-Institut gezeigt wurde, konnte es sich in Mandalay eher um die Vermittlung von Grundlagen handeln. Und doch kann auch der zweite Workshop als wichtiger Erfolg gelten: Fünf Mönche nahmen teil und ließen sich mit großem Interesse in die Fotografie einführen. In Myanmar werden insbesondere auf dem Land viele Kinder in Klosterschulen von diesen Wissensträgern unterrichtet – was ihrer Teilnahme an dem Workshop eine weitreichende Bedeutung verleiht.

Paten im Einsatz für die FREELENS Foundation: Daniel Nauck vermittelt einer Workshop-Teilnehmerin fotografisches Know-how.

Paten im Einsatz für die FREELENS Foundation: Daniel Nauck vermittelt einer Workshop-Teilnehmerin fotografisches Know-how. Foto: Michael Hauri

Auch in Bethlehem und Jerusalem fand im vergangenen Herbst ein Workshop des Multimedia-Produktionsstudios 2470media in Kooperation mit der unabhängigen Nachrichtenagentur Palestine News Network statt, in dem Nachwuchsjournalisten zwischen 18 und 30 Jahren die journalistische Arbeit mit der Kamera vertiefen konnten. Doch die FREELENS Foundation möchte sich nicht auf die Unterstützung von Workshops und (Fort-)Bildungsmaßnahmen beschränken – auch einzelnen bedürftigen Fotografen soll geholfen werden, ihren Beruf auf eine Art und Weise auszuüben, die mehr als das blanke Überleben sichert. Hierfür ist die Mithilfe derjenigen Fotografen vonnöten, die aus einem Wohlstandsland wie Deutschland kommen. Denn sie sind es, die auf ihren Reisen auf Missstände aufmerksam werden (und machen) und als Paten finanzielle oder auch materielle Hilfe der FREELENS Foundation direkt und ohne Umwege ihrem Ziel zuführen können.

INFO
FREELENS Foundation

Wenn Sie die FREELENS Foundation unterstützen möchten, können Sie dies durch Ihre einmalige Spende, eine Fördermitgliedschaft oder nach Absprache auch durch eine Sachspende tun. Das Beitrittsformular zur Fördermitgliedschaft können Sie auf der Website der Freelens Foundation herunterladen. Einmalige Spenden sind unter folgender Bankverbindung möglich:

FREELENS Foundation Germany e. V.
IBAN DE93 2019 0003 0060 2941 08
BIC GENODEF 1HH2
Hamburger Volksbank

Wir hoffen, auch mit Ihrer Hilfe weiterhin Fotografen und Projekte weltweit unterstützen zu können. Weitere Informationen zur Förderung, Aktionen und Projekten der FREELENS Foundation >>  www.freelens-foundation.org