Fotobuch

Prof. Dr. Gerhardt Trabert im Gespräch mit Anneliese Schneider.

Prof. Dr. Gerhardt Trabert im Gespräch mit Anneliese Schneider. Foto: Andreas Reeg

Andreas Reeg

Arzt der Armen

Arme Menschen sterben früher. Die Mortalität von Armut betroffener Menschen in unserer Gesellschaft ist deutlich erhöht. 31 Prozent der von Armut betroffenen Männer erreicht nicht das 65. Lebensjahr. Armut bedeutet demnach nicht »nur« geringere gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten, Armut bedeutet in einem der reichsten Länder der Erde früher sterben zu müssen. Krankheit macht arm, und Armut macht krank.

Diesen Teufelskreis will der Arzt Prof. Dr. Gerhard Trabert durchbrechen und behandelt in Mainz und Umgebung seit 20 Jahren arme und wohnungslose Menschen. Mit viel Wertschätzung begegnet er seinen Patienten, die sich, selbst wenn sie versichert sind, aus Angst vor Stigmatisierung oft nicht zum Arzt trauen.

Prof. Dr. Gerhard Trabert besucht Herrn Dusa auf seiner Platte.

Prof. Dr. Gerhard Trabert besucht Herrn Dusa auf seiner Platte. Foto: Andreas Reeg

Etwa 18.000 Menschen leben in Deutschland auf der Straße und 90 Prozent davon bräuchten dauerhaft ärztliche Hilfe, schätzt Trabert. Andreas Reeg begleitete den Arzt und seine wohnungslosen Patienten drei Jahre. Entstanden ist ein Fotoprojekt, das zum Hinsehen auffordert und das den Begriff der Gleichwürdigkeit in wertschätzenden Bildern thematisiert.

Prof. Dr. Trabert bespricht mit einem Patienten die Verlegung in ein Hospiz.

Prof. Dr. Trabert bespricht mit einem Patienten die Verlegung in ein Hospiz. Foto: Andreas Reeg

»Andreas Reeg hat uns über zwei Jahre bei unserer sozialarbeiterischen und ärztlichen Beziehungsarbeit mit von Armut betroffenen Menschen, speziell wohnungslosen Menschen, begleitet. Er hat selbst Beziehung im Sinne der Gleichwürdigkeit zu den betroffenen Menschen gelebt. Dies zeigt sich eindrucksvoll in der die Ausdruckskraft, der Ästhetik und Intimität der Porträts, die auf der Basis einer spürbar empfundenen Würde und eines liebevollen Respektes den fotografierten Menschen gegenüber entstanden sind. Ich danke Andreas, und nach vielen Gesprächen mit betroffenen Menschen auch in deren Namen, dafür sehr!« schreibt Gerhard Trabert in seinem Begleittext.

Andreas Reeg wurde vielfach für seine sozialen Fotodokumentationen ausgezeichnet und fotografiert unter anderem für Der Spiegel, Die Zeit und Chrismon. Sein Fotobuch »Menschen mit Down-Syndrom« wurde mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet.

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Andreas Reeg
Arzt der Armen
Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (Hrsg.), mit Texten von Christoph Butterwegge, Gerhard Trabert und Robin Trabert.
Festeinband, 17 x 24 cm, 96 Seiten, 40 Farbabbildungen, Kehrer Verlag, 2017, 29,90 Euro
ISBN 978-3-86828-801-8