Sony World Photography Award 2012

The Holy family on bike, Roma 1956.

The Holy family on bike, Roma 1956. Foto: William Klein Courtesy HackelBur

William Klein

Außerordentliche Leistungen für die Fotografie

Brillant, anspruchsvoll und kompromisslos: Das zeichnet seit Jahrzehnten die Werke von William Klein aus. Er ist einer der bedeutendsten und einflussreichsten Fotografen und Filmschaffenden des 20. Jahrhunderts. Deshalb wird er bei den Sony World Photography Awards 2012 mit dem Preis für »Außerordentliche Leistungen für die Fotografie« geehrt.

Am 26. April wird William Klein im Rahmen der alljährlichen Preisgala im Londoner Park Lane Hilton Hotel ein ganz besonderer Preis verliehen. Er wird für das ausgezeichnet, was er in den vergangenen Jahrzehnten für die Fotografie getan hat. Führende Vertreter der internationalen Fotobranche werden an der Gala teilnehmen. Eine sehr persönliche, von Michael Benson kuratierte Schau zu Kleins Schaffen wird vom 27. April bis 20. Mai im Rahmen der Sony World Photography Awards Exhibition im Somerset House in London zu sehen sein.

William Klein wurde in New York geboren und studierte in den 1950er-Jahren zunächst unter Fernard Léger in Paris Malerei. Zur Fotografie kam er eher zufällig: Während er in Mailand ausstellte, fotografierte er Wandbilder, die er auf drehbare Paneele gemalt hatte, und begann fortan die Fotografie als eine Möglichkeit der Weiterentwicklung seiner abstrakten Arbeiten zu erforschen.

New York, Paris, Rom

Als Alexander Liberman von der amerikanischen Vogue ihn entdeckte und einlud, für das Magazin zu arbeiten, kehrte Klein im Alter von 25 Jahren nach New York zurück. Dort machte er Modeaufnahmen und arbeitete gleichzeitig an einem fotografischen New York-Tagebuch. Da es ihm nicht gelang, einen amerikanischen Verleger für seine körnigen, kontrastreichen und unscharfen Aufnahmen zu begeistern, kehrte Klein nach Paris zurück. Dort wurde der Fotoband »Life is Good and Good For You in New York« veröffentlicht und brachte ihm 1957 den Prix Nadar ein. Im selben Jahr lernte Klein den Filmregisseur Frederico Fellini kennen, der ihn einlud, ihm bei den Dreharbeiten zu »Die Nächte der Cabiria« in Rom zu assistieren. Die Aufnahmen verzögerten sich jedoch. Klein nutzte die Gelegenheit, Rom mit ähnlich körnigen, unbearbeiteten Fotos zu erforschen, wie er es zuvor schon in dem Band über New York getan hatte. 1960 erschien der Fotoband über Rom. 1964 folgten weitere über Moskau und Tokio. Die Verwendung von grobkörnigem Film und die weiten Aufnahmewinkel schockierten das Foto-Establishment und brachten Klein den Ruf eines Anti-Fotografen ein.

»William Klein, ein wahrer Gigant des Films, der Fotografie und der grafischen Publikationen, ist unbestritten einer der bedeutendsten Kreativen des 20. und 21. Jahrhunderts«, sagt Marcus Bury von der Galerie HackelBury, Kleins Gallerist in London. »Seine Arbeiten haben einer Fülle von Innovationen den Weg geebnet und großen Einfluss auf zahlreiche Künstler ausgeübt, die in seine Fußstapfen getreten sind. Kleins Karriere hat die Würdigung mehr als verdient. Seine Dokumentationen, seine satirischen, politisch engagierten, anarchischen Filme, seine fotografischen Studien zu Städten und Mode-Ikonen inspirieren bis heute Künstler, Grafikdesigner, Filmregisseure und Fotografen. William Klein, der nie vor einer Konfrontation zurückschreckt, ist ein Meister der kreativen Künste.«

Still from the movie »Who are you Polly Maggoo«, 1966.

Still from the movie »Who are you Polly Maggoo«, 1966. Foto: William Klein Courtesy HackelBur

Von 1955 bis 1965 setzte Klein seine Arbeit für die Vogue fort, wobei er seine Models am liebsten auf der Straße oder an anderen Alltagsorten fotografierte. Die Tätigkeit für die Zeitschrift inspirierte ihn zu seinem ersten Spielfilm von 1966 »Wer sind Sie, Polly Maggoo«. Wie auch seine beiden anderen Langfilme »Mr. Freedom« und »Le Couple témoin« ist der Film eine Satire. In den folgenden Jahren konzentrierte sich Klein auf das Filmschaffen und drehte zahlreiche kurze und lange Dokumentarfilme. In den 1980ern wandte er sich wieder der Fotografie zu.

1997 fotografierte er die Stadt New York erneut und stellte in Barcelona und Paris aus. 1999 verlieh ihm die Royal Photographic Society in London die »Medal of the Century«. Kleins jüngste Solo-Ausstellung fand 2009 in der Polka Galerie in Paris statt.

Eine größere Werkauswahl von William Klein wird vom 10. Oktober 2012 bis 27. Januar 2013 zusammen mit Arbeiten von Daido Moriyama in der Tate Modern zu sehen sein. Die Ausstellung »William Klein + Daido Moriyama« wird sich mit den fotografischen Schilderungen des modernen Stadtlebens auseinandersetzen, für die die beiden Fotografen berühmt sind. Zentrales Thema werden dabei die Städte New York und Tokio sein.