20. März bis 5. Juni 2016

Conchita Wurst, 2014 fotografiert für die »Liberation«.

Conchita Wurst, 2014 fotografiert für die »Liberation«. Foto: Reiner Riedler

Stadthaus Ulm

Cross Dressing

Eine Fotosafari in die wilden Ecken unserer Kleiderschränke

Was passiert, wenn ein Mann sich Frauenkleider anzieht, und was geschieht, wenn sich eine Frau wie ein Mann kleidet? 
Cross Dressing, das Tragen der spezifischen Kleidung des jeweils anderen Geschlechts, ist ein uraltes gesellschaftliches Phänomen und je nach Epoche und Kultur mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen und Ritualen verknüpft.

Heute ist eine in Männerkleidung gewandete Frau in unserer Gesellschaft Normalität, schwerer haben es an gleicher Stelle Männer in Frauenkleidung. Cross Dressing kann Verkleidung sein – auch in Theater und Film! –, genauso aber auch Ausdruck von Geschlechtsidentität. Es kann Ausdruck sein von politischen Statements, genauso aber auch ein Mittel der Deckung, um widrigen Umständen entkommen zu können. Und auch als kulturelle oder rituelle Handlung gibt es das Cross Dressing.

Hakije #2, Albanien 2008.

Hakije #2, Albanien 2008. Foto: Pepa Hristova

Auch in traditionellen Gesellschaften kann eine Frau in Männerkleidern ein Männerleben führen, wenn sie sich an für sie vorgesehene Regeln wie Keuschheit hält. Albanien sei als Beispiel genannt. Ähnliches gilt umgekehrt auch für thailändische Männer.

In der Schwulen- und Lesbenbewegung seit den 1960er Jahren bekam das Cross Dressing eine gesellschaftspolitische Bedeutung: »Drag-Kings« und »Drag-Queens« sprengten die Rollenklischees und gesellschaftliche Normen, von denen sich die »Queer-Bewegung« diskriminiert fühlte.

Die amerikanische Fotografin Zoe Leonard inszenierte schon 1995 ein Pin up mit Bart. Heute – in Zeiten von Conchita Wurst und ihrer medialen Inszenierung – wird der Umgang mit den Geschlechterrollen vor allem auf einer öffentlichen Medienbühne und oft als Selbstinszenierung ausgetragen: im Internet, in den Sozialen Netzwerken, in Blogs, im Fernsehen.

Mittendrin #23_2016.

Mittendrin #23_2016. Foto: Klaus G. Kohn

Diese Ausstellung zeigt Bilder von möglichen Verwandlungen, wie sie zeitgenössische Fotografinnen und Fotografen dokumentieren, reflektieren und inszenieren. Dem Betrachter werden Rollenklischees vorgeführt, vor denen er sich selbst fragen muss, was männlich oder weiblich ist oder ob es etwas »dazwischen« gibt. Das Thema irritiert nach wie vor, es fasziniert, und zuweilen provoziert es auch.

Ausstellende Fotograf*innen
Annette Frick (*1957 | Berlin) Fuck Gender
Pepa Hristova (*1977 | Bulgarien) Sworn Virgins
Klaus G. Kohn (*1957 | Braunschweig) Mittendrin / right in the middle
Hana Pesut (*1983 | Kanada) Switcheroo
Reiner Riedler (*1968, Wien) Conchita Wurst
Ingo Taubhorn (*1957 | Dortmund) Die Kleider meiner Mutter / the clothing of my mother
Jon Uriarte (*1982 | Spanien) The Men Under the Influence…
sowie Anonyme Fotografien vom Anfang des 20. Jahrhunderts

Projektleitung: Wiebke Ratzeburg

Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 20. März 2016, 11 bis 13 Uhr.

Stadthaus Ulm
Münsterplatz 50, 89073 Ulm

www.stadthaus.ulm.de

Öffnungszeiten
Montags bis Samstag 10 bis 18 Uhr
Donnerstag 10 bis 20 Uhr
Sonn- und Feiertag 11 bis 18 Uhr

Eintritt frei