Springer zieht blank

Die heutige Bild-Ausgabe erscheint inhaltsleer wie selten zuvor – eine Steigerung wäre noch möglich, wenn man zukünftig auch die Texte wegließe.

Die heutige Bild-Ausgabe erscheint inhaltsleer wie selten zuvor – eine Steigerung wäre noch möglich, wenn man zukünftig auch die Texte wegließe. Illustration: FREELENS

Bild ohne Bilder

Danke, Kai Diekmann!

Endlich macht’s mal jemand: Eine Verneigung vor der Kraft der Fotos. Das freut uns – das freut uns sehr. Gleich eine ganze Seite füllt die Lobhudelei mit dem Titel »Die Macht der Bilder« in der heutigen Bildzeitung – eine Bildzeitung ohne redaktionelle Fotos – nur graue Flächen dort, wo sonst die Fotos stehen. Ein Zeichen!

Aber wieso steigt sofort dieser fahle Beigeschmack auf. Da war doch was?

Richtig. 2007 führte Springer neue Verträge ein. Verträge, die den Fotografen nach dem Motto »Friss oder stirb« alle Rechte an ihren Bilder abverlangten. Mit einer einmaligen Honorarzahlung ließ sich der Springer-Verlag das Recht einräumen, Fotos für immer und ewig in allen Medien nutzen zu können, in der Werbung, im Fernsehen – mehrfach und überall. Und dies natürlich ohne zusätzliche Honorierung. Vorsichtshalber ließ sich der Verlag unterschreiben, dass das einmalige Honorar angemessen ist – egal, was Springer mit den Fotos jetzt und in Zukunft anstellt.

Lieber Kai Diekmann, Sie wollen mit der heutigen Bild-Ausgabe »zeigen, wie wichtig Fotos im Journalismus sind. Und dass es sich lohnt, jeden Tag um das beste Foto zu kämpfen!« Bravo! Denn genau das machen alle Fotografen jeden Tag und es wäre anständig, dies auch zu honorieren.

Aber Bild wäre nicht Bild, wenn Sie es nicht hinbekämen, zuerst den Fotografen zu ohrfeigen, um sich dann zu verneigen – vor der Kraft der Bilder.

Lassen Sie doch bitte auch mal den Text weg in Ihren Bild-Ausgaben. Vielleicht sogar mal für eine Woche oder länger?