27. Juli bis 4. September 2016

Abendessen. Das es in den Wohnungen eng und im Sommer oft unerträglich heiß ist, setzen sich viele Familien zum Essen vor die Tür.

Abendessen. Das es in den Wohnungen eng und im Sommer oft unerträglich heiß ist, setzen sich viele Familien zum Essen vor die Tür. Foto: Jesco Denzel

Jesco Denzel

Die Gitans von Perpignan

Jesco Denzels Ausstellung »Die Gitans von Perpignan« zeigt das Leben der Gitans im Herzen der historischen Altstadt von Perpignan in Südfrankreich. Mit rund 8.000 Bewohnern ist das Viertel St. Jacques eine der größten Gitans-Gemeinden in Frankreich, und vor allem die einzige innerstädtische. Während in allen anderen Städten größere Siedlungen sesshafter Gitans an die Stadtränder gedrängt wurden, ist in den engen Gassen des Viertels St. Jacques eine lebendige Stadt in der Stadt entstanden.

Es sind vor allem die Nachfahren spanischer Kalé, die im Laufe des 19. Jahrhunderts ins französische Katalonien auswanderten, die heute in St. Jacques leben, und sie haben noch immer starke Bindung an Spanien. Die Umgangssprache in St. Jacques heißt schlicht Gitan, ein etwas abgewandeltes Katalanisch.

Michel übt zu Hause stundenlang Gitarre, spielt aber nie in der Öffentlichkeit.

Michel übt zu Hause stundenlang Gitarre, spielt aber nie in der Öffentlichkeit. Foto: Jesco Denzel

Fernab von romantischen Vorstellungen, die man mit mediterranem »Zigeunerleben« verbinden mag, organisieren die Bewohner von St. Jacques ihr Leben auf eine Art und Weise, die ihren ordentlich-französischen Nachbarn oft suspekt erscheint: »Die arbeiten alle nicht«, ist das gängige Vorurteil. »Wenn ich mich irgendwo vorstelle und der Chef sieht, dass ich Gitan bin, kann ich gleich wieder gehen«, sagt ein Arbeitsloser aus dem Viertel.

Hier zählen Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl und vor allem die Fähigkeit, sich irgendwie durchschlagen zu können. Denn Probleme gibt es reichlich – Arbeitslosigkeit, Drogen und Analphabetismus machen das Leben in St. Jacques bisweilen nicht einfach.

Braut auf dem Weg zur Hochzeitsfeier.

Braut auf dem Weg zur Hochzeitsfeier. Foto: Jesco Denzel

Der in Berlin lebende Fotograf Jesco Denzel hat nach seinem Magister in Politischer Wissenschaft an der Hochschule Hannover Fotojournalismus studiert. Seit 2010 ist er offizieller Fotograf der Bundesregierung. Bereit im Jahre 2004 begann Denzel mit seinem Fotoprojekt über die Gitans in Perpignan, das er seitdem regelmäßig erweitert.

Die Ausstellung mischt auf harmonische Weise Motive klassischer Reportagefotografie mit Bildern, die eher an Street Photography erinnern. Sie gibt uns einen Einblick in die Welt der französischen Roma, die einem normalerweise nicht zugänglich ist.

Boule-Spiel auf dem Grundstück eines kurz zuvor eingestürzten Hauses.

Boule-Spiel auf dem Grundstück eines kurz zuvor eingestürzten Hauses. Foto: Jesco Denzel

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung hält der hannoversche Kulturdezernent Harald Härke ein Grußwort. Anschließend spricht Prof. Rolf Nobel zur Einführung in die Arbeit mit dem Fotografen Jesco Denzel.

Die Gitans von Perpignan
28. Juli bis 4. September 2016
Vernissage am 27. Juli 2016 um 19 Uhr

Galerie für Fotografie
Seilerstraße 15d, 30171 Hannover
www.gafeisfabrik.de

Öffnungszeiten
Donnerstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr