Urheberrecht

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Illustration: FREELENS

Die Grünen Piraten vergraben den Kulturschatz

Parteien haben es heute schwer. Ihre Konturen sind unscharf, sie wollen es allen recht machen, sie hinken gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher und ihre Glaubwürdigkeit haben sie in weiten Teilen der Bevölkerung verspielt. Und wenn da noch eine neue Partei wie die Piraten Partei mit ihren Wahlerfolgen auftaucht, kommt es schnell zur Schnappatmung bei den etablierten Parteiverantwortlichen.

Nun wollen die Grünen also »den digitalen Wandel grün gestalten«. Nein – nicht grüner Strom oder die Recyclebarkeit von Computern ist gemeint, sondern in ihrem Antrag zur 33. Ordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz in Kiel geht es um nicht weniger als das Volk der Dichter und Denker – das sich bitte andere Jobs suchen soll.

Und das geht so: Unter dem Deckmantel des »freien Internet« sollen Urheber fünf Jahre nach Erscheinen ihrer Werke (Fotos, Musik, Texte etc.) nicht mehr selbst darüber bestimmen können, wer ihre Werke wo veröffentlicht. Natürlich sollen Urheber für die Nutzung dann auch kein individuelles Honorar mehr erhalten. So soll »…sichergestellt werden, dass KünstlerInnen die Möglichkeit haben, sich auf die Erschaffung neuer Werke konzentrieren zu können…«

Liebe Grüne: Danke für diesen tollen Tipp – da hätten wir auch selbst drauf kommen können. Wir verschenken unsere Fotos und kümmern uns nicht um Buchhaltung, Steuern, Rechnungswesen und diesen ganzen bürokratischen Kram – dann haben wir endlich mal Luft so richtig kreativ zu sein.

Natürlich bietet euer Vorschlag auch die Möglichkeit, über die avisierten fünf Jahre hinaus, Werke zu schützen. Dazu soll es die »Möglichkeit der Neuverhandlung« geben.

Wer soll denn da mit wem verhandeln? Der Urheber mit sich selbst? Soll es eine Bundesfotoverwaltung geben?

Damit nicht genug. Die fünfjährige Schutzfrist soll ab Veröffentlichung mit einer »gebührenpflichtigen, mehrmaligen Verlängerungsoption« versehen werden.

An wen sollen denn bitte die Fotografen für ihre eigenen Fotos Gebühren bezahlen?

Liebe Grüne, ihr bekundet, dass »zahlreiche ›neue Verwerter‹ im Internet vom Vertrieb kreativer Werke profitieren, ohne KünstlerInnen entsprechend zu beteiligen…«

Nein – es sind die alten Verwerter, die den Kreativen ihre Werke nach der Methode »Friss oder stirb« abpressen – und das seit Jahren und mit immer größerer Dreistigkeit. Ihr hättet die Gelegenheit gehabt, als ihr noch in der Regierungsverantwortung wart, eine angemessene Vergütung für alle Kulturschaffenden in Gesetzesform zu gießen –warum ist das nicht passiert? Warum müssen Literaturübersetzer nebenbei noch eine Pommesbude betreiben, um überleben zu können, während die Verlage satte Renditen einfahren?

Liebe Grüne, geht es nach euch, werden unsere Fotos auch auf den privaten Seiten von Neonazis zu sehen sein. Wollt ihr das – wir nicht. Wir wollen unsere Versprechen gegenüber Personen, die wir fotografiert haben, einhalten. Das kann auch bedeuten, dass sie ihre Einwilligung zur Veröffentlichung ihres Fotos nur für ein bestimmtes Medium erteilt haben. Ja, und wir wollen selbst bestimmen, ob und wo unsere Fotos erscheinen.

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr überhaupt keine Vorstellung davon habt, wie es draußen im richtigen Leben der Kreativen aussieht. Wir bieten euch an, mal einen Monat an der Front zu arbeiten, sei es als Fotograf, Filmer, schreibender Journalist etc. Wir bringen euch dann auch bei, was Verlage so unter Honorar verstehen, wir übersetzen euch die seitenlangen Verträge, die ihr unterschreiben müsst um überhaupt einen Job zu bekommen und der euch aller eurer Rechte berauben wird. Während eures Praktikums bieten wir euch natürlich u.a. eine freie Verköstigung, denn ihr werdet euch das mit dem erzielten Honorar nicht leisten können

Und, liebe Grüne, wenn ihr mal wirklich hipp sein wollt, antwortet doch mal auf E-Mails – das wär’ doch schon mal ein Anfang.

Hier findet sich der Leitantrag der Grünen (PDF).