Schwerpunktthema

Die Bilderflut auf Instagram lässt sich durch Hashtags ordnen, doch welche Regeln sollten dabei beherzigt werden?

Die Bilderflut auf Instagram lässt sich durch Hashtags ordnen, doch welche Regeln sollten dabei beherzigt werden? Foto: Evgeny Makarov (M)

Social Media für Fotograf*innen

Die Welt der Hashtags auf Instagram

TEXT – KRISTINA KOBILKE

Ohne Hashtags geht auf Instagram gar nichts. Sie sind der einzige Weg, Fotos auffindbar zu machen. Doch wie genau funktioniert die Verschlagwortung mit der Raute und welche Regeln sollte man dabei beherzigen? In diesem Beitrag erklärt Social-Media-Expertin Kristina Kobilke, was man über die Welt der Hashtags unbedingt wissen muss und welche kreativen Blüten die Sprache der Raute inzwischen treibt.

Kritiker sehen in Instagram häufig eine weitere unnütze Plattform zur überzogenen Selbstdarstellung der Menschen, die mit gestelzten Selfies und protzigen Urlaubs- oder Besitzstandsfotos einen negativen Einfluss auf andere Nutzer ausüben. Bei näherer Betrachtung zeigt das Netzwerk jedoch noch eine ganz andere Seite. Die Mehrheit der Instagrammer teilt vor allem den Spaß an interessanten Fotos und Videos miteinander und das über Länder- und sprachliche Grenzen hinweg.

Was sich dabei als interessant qualifiziert, ist im wahrsten Sinne des Wortes »Ansichtssache«. Menschen mit einem ähnlichen Blick auf die Welt, Interesse oder Hobby finden hier über eine gemeinsame Bildsprache und vor allem mittels Hashtags zueinander.

Da gibt es die #cupcakelovers, Fans von #rockabillystyle oder Instagrammer, die sich an #fineart_architecture sattsehen. Menschen, die Instagram nutzen, sind dabei grundsätzlich auf der Suche nach Inspiration, wollen –  getrieben von unserer typisch menschlichen Neugier – von Dingen erfahren, die sie noch nicht kennen und die sie überraschen.

Jede Interessensgemeinschaft bzw. Community auf Instagram bildet ihre ganz eigenen Hashtags heraus. Darunter nicht selten Schlagworte, die einen neuen Trend benennen. Je mehr ihr in die Foto- und Videowelt dieser Communities eintaucht, desto besser lernt ihr auch deren spezifische Hashtags kennen und könnt euch an den Gesprächen eurer Community beteiligen. Instagram selbst ist hierbei behilflich und zeigt auf den Suchergebnisseiten zu bestimmten Schlagworten »ähnliche« Begriffe an, nach denen Instagrammer im Zusammenhang mit einem bestimmten Thema suchen oder mit denen sie ihre Beiträge üblicherweise markieren.

Was genau ist ein Hashtag?

Der Hashtag (von »hash« = Raute bzw. Doppelkreuz und »tag« = Markierung) ist eine Erfindung der Netzgemeinde, um die zunehmende Zahl der Informationen in sozialen Netzwerken kategorisieren zu können. Ein Hashtag entsteht, indem man das Raute-Symbol direkt vor ein bestimmtes Schlagwort, eine Zeichenkette oder im Falle von Instagram sogar vor ein Emoji setzt.

Dabei wird das Schlagwort, die Zeichenkette oder das Emoji automatisch in einen Link umgewandelt. Indem man diesen Link bzw. Hashtag seiner Bildbeschreibung oder einem Kommentar zu seinem Foto oder Video hinzufügt, ist der Beitrag unter diesem bestimmten Hashtag jederzeit wieder auffindbar. Ebenso kann man mit Hilfe der Hashtag-Mechanik in den Weiten der Instagram-Bilderflut nach bestimmten Schlagwörtern oder Zeichenketten suchen und sich so relevante Inhalte herausfiltern.

Auch das webbasierte Tool Display Purposes, das vom Fotografen, Developer sowie begeisterten Instagrammer Fay Montage entwickelt wurde, kann euch dabei helfen, relevante und gleichzeitig populäre Hashtags der Community zu bestimmten Themen auf Instagram aufzuspüren und diese auch für eure eigenen Beiträge zu nutzen.

Dazu genügt es, zwei oder drei bildbeschreibende Hashtags in die Suche des Tools einzugeben und aus der Liste ähnlicher Hashtags, die von der Instagram-Community im Zusammenhang mit den in die Suche eingegebenen Tags genutzt werden, die passenden auszusuchen.

Mit dem von Fay Montage entwickelten Tool »Display Purposes« lassen sich beliebte und relevante Hastags zu bestimmten Themen aufspüren und für die eigenen Beiträge nutzen.

Mit dem von Fay Montage entwickelten Tool »Display Purposes« lassen sich beliebte und relevante Hastags zu bestimmten Themen aufspüren und für die eigenen Beiträge nutzen. Foto: Screenshot von https://displaypurposes.com/

Gewusst wie: Hashtags richtig verwenden

Hashtags werden auf Instagram in der Regel inzwischen in einem Zwei-Schritt-Verfahren vergeben, das sich vor allen anderen etabliert hat und empfehlenswert ist.

Erster Schritt
Das Foto oder Video wird mit einem bis maximal vier Hashtags, die die Aussage des Fotos oder Videos bestmöglich unterstreichen, direkt in der Bild- oder Videounterschrift markiert. Anschließend wird der Beitrag auf Instagram und gegebenenfalls weiteren Netzwerken veröffentlicht.

Zweiter Schritt
Direkt nach Veröffentlichung des Posts können nun weitere Hashtags in einem zusätzlichen Kommentar zum eigenen Beitrag hinzugefügt werden. Pro Post können insgesamt maximal 30 Hashtags vergeben werden. Gerade zu Beginn ist es wichtig, diese Zahl unbedingt auszureizen, um mehr Reichweite für den Inhalt zu erzielen.

Diese Vorgehensweise hat sich aus zwei Gründen bewährt. Zum einen wirken zu viele Hashtags direkt in der Bildbeschreibung überladen, wenig kommunikativ und lassen auch aus Sicht einiger Nutzer »gierig« nach »Gefällt-mir«-Angaben erscheinen. Zum anderen werden die Hashtags in der Bildunterschrift auch in anderen Netzwerken angezeigt, falls die Beiträge dort geteilt werden. Insbesondere auf Facebook ist die Verwendung von Hashtags weiterhin untypisch und eine Vielzahl von Tags wird hier als übertrieben angesehen.

Hashtags werden nicht selten Community-übergreifend weltweit aufgegriffen und auf eigene Weise interpretiert und weiterentwickelt.

Hashtags werden nicht selten Community-übergreifend weltweit aufgegriffen und auf eigene Weise interpretiert und weiterentwickelt. Foto: Screenshots von https://www.instagram.com/

Berühmte Hashtag-Vokabeln und was sie bedeuten

Hashtags repräsentieren nicht selten einen neuen Bildmotiv-Trend, der Community-übergreifend in allen Teilen der Welt aufgegriffen und auf eigene Weise interpretiert und weiterentwickelt wird.

#throwbackthursday beschreibt ein beliebtes Motiv, bei dem Instagrammer jeden Donnerstag Bilder oder Videos aus ihrer Vergangenheit posten. Je nostalgischer das Bild anmutet, um so besser. Der »Throwback Thursday« wird auch in anderen Netzwerken, wie Twitter, Tumblr oder Facebook aufgegriffen. Oft verwandte Hashtags sind neben #throwbackthursday auch #tbt oder #throwback. #tbt gehört laut der Website top-Hashtags.com mit fast 370 Millionen Posts zu den Top 10 der meist verwendeten Hashtags auf Instagram.

#makeportraits oder auch #makeportraitsnotwar markieren das in der Community beliebte Genre der Porträtfotografie und sind gleichzeitig ein Aufruf an die Instagrammer, mehr Porträtfotos zu schießen.

#minimal ist ein Evergreen auf Instagram, der die Liebe zum Minimalismus ausdrückt. Nutzer versuchen dabei, diese Kunstform bestmöglich in ihren Fotos einzufangen. Häufig verwendete Hashtags sind hier #minimal_perfection, #minimalism_world oder #minimal_shots.

#theworldneedsmorespiralstaircases zeigt die Faszination der Community für die besondere Architektur von Treppenhäusern und gleichzeitig, dass der Länge eines Hashtags offenbar keine Grenzen gesetzt sind. In Deutschland hat sich dazu sogar der #treppenhausfreitag etabliert. Dabei posten Instagrammer an einem Freitag ein obligatorisches Treppenhausfoto.

Darüber hinaus gibt es auf Instagram zahlreiche bekannte Hashtags, die von der Instagram-Community genutzt werden, um an Foto- oder Videowettbewerben teilzunehmen – mit dem Ziel, von den meist reichweitenstarken Wettbewerbsveranstaltern promotet zu werden (wenngleich eine Promotion kaum noch signifikante Follower-Zuwächse nach sich zieht).

Zu den größten und ältesten Wettbewerben auf Instagram zählen @photooftheday oder @instagood. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl kleinerer Communities, die Fotos und Videos eines bestimmten Genres oder einer bestimmten Bildsprache kuratieren, so zum Beispiel @agameoftones oder die @royalsnappingartists mit zahlreichen Sub-Communities, wie @rsa_minimal, @rsa_fog oder @rsa_symmetrical.


Kristina Kobilke
Kristina Kobilke berät als Trainerin und Coach Unternehmen, Agenturen und Verlage darin, digitales Know-how für Marketing und Kommunikation aufzubauen. Zu ihrem Kernthema Instagram hat sie bereits zwei Bücher veröffentlicht, zuletzt »Marketing mit Instagram« im mitp Verlag.

www.kristinakobilke.de