Dr.-Erich-Salomon-Preis 2014

Eine unerklärliche Tragödie: Diese Kinder, die aus zwei Bezirken in Moskau stammen, wurden alle mit einem fehlenden Unterarm geboren. Während Russlands Mediziner sich uneins sind, führt die Mehrheit der Mütter die Missbildungen auf Moskaus unvorstellbare Mischung von Umweltgiften zurück. [Moskau, Russland 1993]

Eine unerklärliche Tragödie: Diese Kinder, die aus zwei Bezirken in Moskau stammen, wurden alle mit einem fehlenden Unterarm geboren. Während Russlands Mediziner sich uneins sind, führt die Mehrheit der Mütter die Missbildungen auf Moskaus unvorstellbare Mischung von Umweltgiften zurück. [Moskau, Russland 1993] Foto: Gerd Ludwig/INSTITUTE

Gerd Ludwig

Erneute Auszeichnung durch die DGPh für einen Freelenser

Der in den USA lebende deutsche Fotograf Gerd Ludwig wird mit dem Dr.-Erich- Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 20. September 2014 im Rahmen der photokina statt. Dort werden in der Halle 1 der Leica Camera AG im Rahmen des Leica Ausstellungsgramms auch Arbeiten aus Ludwigs umfangreichem Werk präsentiert. Die Laudatio wird Peter-Matthias Gaede, Chefredakteur von GEO, halten. Der seit 1971 alljährlich für »vorbildliche Anwendung der Fotografie in der Publizistik« vergebene Preis erinnert an Dr. Erich Salomon, den großen Fotografen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt.

Mit Gerd Ludwig ehrt die DGPh einen der weltweit anerkanntesten Fotojournalisten, der in diesem Metier zu den wenigen Deutschen mit Weltgeltung zählt. Im Mittelpunkt seiner Fotografie stehen Umweltthemen und die Veränderungen in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Als Retrospektive der sozialen, ökonomischen und politischen Umwälzungen in der ehemaligen UdSSR erschien 2001 sein Buch »Broken Empire – After the Fall of the USSR« (Deutscher Titel: Russland – Eine Weltmacht im Wandel), parallel wurden die Fotos des Buches weltweit in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Besonders seine engagierte Berichterstattung über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gilt als Meilenstein in der Geschichte des modernen Fotojournalismus. In der klassischen Tradition welterzählender Fotografie steht bei seinen Arbeiten immer das Schicksal des Menschen im Vordergrund. Er will mit seinen Fotos gleichermaßen die Seele berühren und den Horizont erweitern. Reuel Golden, Autor und ehemaliger Chefredakteur des British Journal of Photography, schrieb in seinem Buch »Witness – The World’s Greatest News Photographers« über Gerd Ludwigs Werk: »Trotz der bitteren Realität sind Ludwigs Fotografien voll von ansteckendem Optimismus. Viele Fotojournalisten erliegen der Versuchung einer klischeebehafteten Darstellung und fotografieren das Land in kühler Farblosigkeit. Ludwigs Zugang ist mutiger und farbiger. Er lässt seine Sujets mit einem sicheren Blick für surreale Gegensätze, Kompositionen und Bildausschnitte menschlicher und vielschichtiger erscheinen.«

Gerd Ludwig wurde 1947 in Alsfeld, Hessen geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Germanistik, Sport und Politikwissenschaft in Marburg. 1968 brach er sein Studium ab und tourte ein Jahr durch die USA und Skandinavien. Die Reise finanzierte er mit Gelegenheitsjobs als Maurer, Seemann und Tellerwäscher. Nach seiner Rückkehr begann er an der Folkwangschule Essen ein Studium der Photographie bei Prof. Otto Steinert, das er als graduierter Photo-Designer abschloss.

1974 gründete Ludwig zusammen mit André Gelpke und Rudi Meisel Visum, die erste deutsche Fotografenagentur, die nach dem Vorbild von Magnum das individuelle photographische Werk betont. In der Folge arbeitete er weltweit, unter anderem im Auftrag von Spiegel, Stern, Geo, Zeit-Magazin, Merian und Art. 1984 zieht Ludwig nach New York, fotografiert 1989 erstmals für National Geographic Magazine. Seither gehört er dort mit dem Arbeitsschwerpunkt in Europa und der ehemaligen UdSSR zur Stammmannschaft.

Im Auftrag von National Geographic Magazine fotografiert Gerd Ludwig 1993 Umweltschäden in der ehemaligen UdSSR, dabei auch in Tschernobyl. Das Ergebnis präsentiert das Magazin auf 47 Seiten. 2005 kehrt er für mehrere Wochen in die Sperrzone und die vom radioaktiven Niederschlag betroffenen Gebiete in der Ukraine und Weißrussland zurück. Das politische Tauwetter in der Ukraine führt zu mehr Freizügigkeit und so bekommt er als erster westlicher Dokumentarfotograf die Erlaubnis, tiefer in den verstrahlten Reaktor vorzudringen. Im Frühjahr 2011 und zuletzt im September 2013 fotografiert Gerd Ludwig erneut im Reaktor und dessen Umgebung. Als Reminiszenz vieler Reisen in die Ukraine und Weißrussland erscheint im Mai 2014 sein dreisprachiger Bildband »Der Lange Schatten von Tschernobyl« (mit einem Essay von Michail Gorbatschow) in der Edition Lammerhuber in Baden, Österreich.

Heute lebt Gerd Ludwig in Los Angeles und besitzt inzwischen auch die amerikanische Staatsangehörigkeit. Er fotografiert immer noch vorwiegend für National Geographic, aber gelegentlich auch für andere renommierte Zeitschriften und Buchprojekte sowie für Werbeagenturen. Außerdem lehrt er an Universitäten und gibt weltweit Workshops. Seine Fotos werden international in Galerien und Museen ausgestellt.

www.gerdludwig.com