25. November 2016 bis 29. Januar 2017

Eine christliche Flüchtlingsfamilie aus Bagdad zeigt den Schlüssel zu ihrer lokalen Kirche, die aufgrund der anhaltenden Sektengewalt im Irak schließen musste.

Eine christliche Flüchtlingsfamilie aus Bagdad zeigt den Schlüssel zu ihrer lokalen Kirche, die aufgrund der anhaltenden Sektengewalt im Irak schließen musste. Foto: Andy Spyra

Andy Spyra

Exilium. Das Verschwinden des Christentums aus dem Nahen Osten

Seit 2011 unternimmt Andy Spyra Reisen in den Nahen Osten, um den Exodus der Christen und die Bedeutung dessen für die Region zu dokumentieren. Für dieses Projekt arbeitete er bereits in der Türkei, im Irak, in Israel, Gaza, Palästina und Ägypten. Um es abzuschließen und die fehlenden Teile der Geschichte zu vervollständigen, plant er, zusätzlich noch die christlichen Gemeinden im Libanon, Jordanien und Syrien besuchen. Jeder einzelne dieser Orte ist von besonderer Bedeutung hinsichtlich des Schicksals vom christlichen Leben im Nahen Osten. Die Städtische Galerie Iserlohn stellt Spyras Bilder nun bis zum 29. Januar 2017 aus.

Aus dem Vorderen Orient, der Wiege des Christentums, ist heute dessen Friedhof geworden. Seitdem das Byzantinische Reich Ende des 7. Jahrhunderts zerfiel – und parallel zum Aufstieg des Islams als neue herrschende religiöse Macht – ist die christliche Bevölkerung stark zurückgegangen. Da aber der Islam die »Menschen des Buches« toleriert, konnten Christen immer noch in Frieden leben, auch wenn sie mit der Zeit zu einer relativ kleinen und somit gefährdeten Minderheit wurden. In einem »Dhimmitude«-Status, einem Rechtsstand im Islam, der nicht nur die Pflichten, sondern auch die Rechte der Christen anerkennt, konnte das Christentum über die Jahrhunderte überleben und sogar gedeihen. Beide Völkergruppen in Nahost haben friedlich nebeneinander gelebt.

Jetzt, 1500 Jahre später, steht das Christentum in der Levante am Rande des Aussterbens. Was ist da passiert? Die Gründe für das Schwinden der Christen im Nahen Osten sind komplex und unterscheiden sich etwas in den jeweiligen Ländern der heutigen Levante-Region. Aber egal wie divers und individuell die Lage der christlichen Bevölkerung in den einzelnen Ländern sein mag, es gibt einen gemeinsamen Faktor bei allen Entwicklungen, die zum Aussterben einer christlichen Präsenz geführt haben: Politische Entscheidungen haben das Klima des religiösen Pluralismus vergiftet.

Taufe in der Altamira-Kirche in Karakosh, Irak.

Taufe in der Altamira-Kirche in Karakosh, Irak. Foto: Andy Spyra

Darüber hinaus, als Nationalismus, Gewaltherrschaft und später eine aggressive Bewegung zur ethnischen und religiösen Homogenität im Aufstieg begriffen waren, wurden die Mächte des Sektenwesens freigesetzt. Anfang des 20. Jahrhunderts haben in der Türkei etwa zwei Millionen Christen ihr Leben verloren, als das junge türkische Regime Armenier, Griechen und Assyrier umbrachten, um so eine religiös homogene Türkei zu schaffen. Im Jahre 1948 führten in Palästina die Gründung des Staates Israel sowie die darauf folgenden Kriege zur Vertreibung von Millionen palästinensischer Christen in die Verbannung nach Libanon, Jordanien, Syrien und auch anderswo.

Im Libanon gibt es nach mehr als dreißig Jahren Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen eine tiefe Spaltung durch die Menschen und das Land. Im Irak, nach dem Sturz Saddam Husseins, töten sich Schiiten und Sunniten gegenseitig in ihrem Kampf um die Macht; und beide Gruppen töten auch Christen. Und in der jüngsten Vergangenheit in Ägypten und Syrien ist – infolge der Ereignisse des arabischen Frühlings – das Schicksal der Christen mehr als je zuvor in Gefahr, wobei niemand vorhersehen kann, was die Zukunft bringen wird.

»Um diesen komplexen Abschnitt der Zeitgeschichte, von dem nur wenig berichtet wird, zu dokumentieren und vorzuzeigen, ersuche ich die Unterstützung der Magnum Foundation und deren Initiative ›Über die Religion‹. Ich glaube, dass ganz besonders in der heutigen sich weltweit verengenden Betrachtung der Religion (insbesondere aufgrund der religiösen Ansichten im Nahen Osten) wir eine vertiefte und ausgeglichene Berichterstattung nötig haben, um die Strömungen zu verstehen, welche die Art und Weise definieren, wie wir die Religion sehen«, so Andy Spyra über sein Anliegen.

Andy Spyra
Exilium. Das Verschwinden des Christentums aus dem Nahen Osten
25. November 2016 bis 29. Januar 2017

Städtische Galerie Iserlohn
Theodor-Heuss-Ring 24, 58636 Iserlohn
www.iserlohn.de/kultur/staedtische-galerie