Bildband

Im Südwesten Kolumbiens rollen Männer vom Volk der Nasa einen Stein auf die Straße, um Polizei und Militär den Zugang zu einer besetzten Zuckerrohrplantage zu versperren. Sie fordern Ackerland, das ihnen die Regierung versprochen, aber nie zugeteilt hat. Mit einer unbewaffneten Schutztruppe, der Guardia Indigena, kämpfen sie für ihr Recht.

Im Südwesten Kolumbiens rollen Männer vom Volk der Nasa einen Stein auf die Straße, um Polizei und Militär den Zugang zu einer besetzten Zuckerrohrplantage zu versperren. Sie fordern Ackerland, das ihnen die Regierung versprochen, aber nie zugeteilt hat. Mit einer unbewaffneten Schutztruppe, der Guardia Indigena, kämpfen sie für ihr Recht. Foto: Jonas Wresch

Reporter ohne Grenzen

Fotos für die Pressefreiheit 2016

Am 3. Mai, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, erscheint der Bildband »Fotos für die Pressefreiheit 2016«. Er berichtet in bewegenden Bildern von den Brennpunkten des Nachrichtengeschehens weltweit. Bildstrecken renommierter Fotografen werden durch Texte ergänzt, in denen diese erklären, was sie antreibt und welchen Schwierigkeiten sie bei ihrer Arbeit gegenüberstehen.

Surrealistische Kompositionen aus Syrien, grellbunt inszenierte Kampfszenen aus Bangladesch: Es sind keine gewöhnlichen Nachrichtenbilder, mit denen der Band »Fotos für die Pressefreiheit 2016« die gravierenden Umbrüche des vergangenen Jahres dokumentiert. Renommierte Fotografen eröffnen mit ihrem besonderen Blick neue Perspektiven auf Brennpunkte des Nachrichtengeschehens und erzählen Ereignisse neu, die für tagesaktuelle Medien tausendfach abfotografiert, aber dadurch nicht unbedingt besser verständlich wurden.

Der syrische Fotograf Omar Imam hat seine Bilder in Zeltlagern im Libanon aufwändig inszeniert, um Flüchtlinge nicht nur als Opfer zu zeigen, sondern als Persönlichkeiten mit ihren Wünschen, Träumen und Ängsten. »Seit die Frauen hier im Lager das Essen nach Hause bringen, hören sie nicht mehr auf uns«, sagt der 45-jährige Hael. »Unsere Männlichkeit ist in Gefahr.«

Der syrische Fotograf Omar Imam hat seine Bilder in Zeltlagern im Libanon aufwändig inszeniert, um Geflüchtete nicht nur als Opfer zu zeigen, sondern als Persönlichkeiten mit ihren Wünschen, Träumen und Ängsten. »Seit die Frauen hier im Lager das Essen nach Hause bringen, hören sie nicht mehr auf uns«, sagt der 45-jährige Hael. »Unsere Männlichkeit ist in Gefahr.« Foto: Omar Imam

Omar Imam aus Syrien etwa fotografiert Flüchtlinge nicht nur, er ist selbst einer. Seine aufwändig inszenierten Bilder entstanden in Zeltlagern im Libanon und zeigen statt bloßer Opfer Menschen mit ihren Träumen und Ängsten. Der international bekannte griechische Kriegsfotograf Yannis Behrakis ist heute vor allem in seiner Heimat im Einsatz, seine Bilder entkräfteter Flüchtlinge an den griechischen Küsten gingen um die Welt. Der ROG-Fotoband zeigt seine eindrucksvolle Dokumentation verzweifelter Pensionäre und arbeitsloser Griechen. Tamas Soki aus Ungarn, dessen Land im Sommer 2015 ebenfalls zehntausende Flüchtlinge durchquerten, hielt nicht deren Elend im Bild fest, sondern schildert mit kühler Präzision den Bau eines 175 Kilometer langen Grenzzauns.

Der 42-jährige Alexandros hat keine Wohnung mehr, er schläft in einem verlassenen Auto in der Nähe von Athen. Schon zu Beginn der Wirtschaftskrise 2010 verlor er seine Arbeit. Das Bild ist Teil einer Serie des preisgekrönten Krisenfotografen Yannis Behrakis über obdachlose Griechen.

Der 42-jährige Alexandros hat keine Wohnung mehr, er schläft in einem verlassenen Auto in der Nähe von Athen. Schon zu Beginn der Wirtschaftskrise 2010 verlor er seine Arbeit. Das Bild ist Teil einer Serie des preisgekrönten Krisenfotografen Yannis Behrakis über obdachlose Griechen. Foto: Yannis Behrakis/REUTERS

Der Fotograf Jahangir Yusif aus Aserbaidschan setzt den auf Hochglanz polierten Fotos, die das Regime in Baku verbreitet, realistische Szenen entgegen und zeigt die Armut der Bevölkerung. Sarker Protick aus Bangladesh wiederum nutzt gerade die extreme Inszenierung in den Filmstudios von Dhaka, um über Gewalt, Korruption und Extremismus in seiner Heimat zu erzählen. Die Fotokünstlerin Tina Remiz hatte die immer gleichen Nachrichtenbilder satt, mit denen internationale Medien über den Konflikt in der Ukraine berichten. Sie bat Fotografen beider Seiten um Szenen aus deren Alltag und ließ ihre Bilder zu bemerkenswerten Collagen verschmelzen.

Festlich geschmückt, aber nicht froh: Nach der Hochzeit in Tirana muss die Braut ihre Heimat verlassen und ihrem Mann nach Italien folgen. Der albanische Fotograf Enri Canaj verließ seine Heimat als Kind mit seinen Eltern. Viele Jahre später kehrte er zurück auf der Suche nach Erinnerungen an seine Kindheit. Er kam in ein fremdes Land, das ihn doch mit offenen Armen aufnahm, und schuf ein feinsinniges Porträt seiner Menschen.

Festlich geschmückt, aber nicht froh: Nach der Hochzeit in Tirana muss die Braut ihre Heimat verlassen und ihrem Mann nach Italien folgen. Der albanische Fotograf Enri Canaj verließ seine Heimat als Kind mit seinen Eltern. Viele Jahre später kehrte er zurück auf der Suche nach Erinnerungen an seine Kindheit. Er kam in ein fremdes Land, das ihn doch mit offenen Armen aufnahm, und schuf ein feinsinniges Porträt seiner Menschen. Foto: Enri Canaj

Weit weniger beachtet ist der Bürgerkrieg in Kolumbien, über den der deutsche Fotograf Jonas Wresch berichtet: In einer der am härtesten umkämpften Gegenden des Landes hat er Ureinwohner begleitet, die der Gewalt mit einer unbewaffneten Schutztruppe trotzen. Den Alltag in Alabnien dokumentiert der heute in Griechenland lebende Fotograf Enri Canaj. Nach Jahren im Exil kehrte er in ein Land zurück, das ihm fremd geworden war, und schuf ein feinsinniges Porträt seiner Menschen.

Mehr als 20 Fotografinnen und Fotografen haben Reporter ohne Grenzen ihre Werke für das diesjährige Fotobuch unentgeltlich zur Verfügung gestellt, darunter auch die FREELENSer Tobias Hase und Jonas Wresch. Reporter ohne Grenzen finanziert sich neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen durch den Verkauf des Fotobuchs. Der Erlös fließt vollständig in Pressearbeit und Nothilfe wie Anwaltskosten und medizinische Hilfe für verfolgte Journalisten. 2010 wurde der Bildband mit dem kress Award für den besten Relaunch ausgezeichnet.

FREELENS ist Fördermitglied von Reporter ohne Grenzen.

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Reporter ohne Grenzen (Hrsg.):
Fotos für die Pressefreiheit 2016
104 Seiten, Softcover, 21 x 28 cm, Schweizer Bindung
ISBN 978-3-937683-61-4
14,– Euro (inkl. Versand)