14. August bis 23. August 2015

Ein Klient in der Bühnengarderobe des Kulturzentrums Haus Wichern. Ein improvisierter Behandlungsraum, während es nebenan Essen in der Suppenküche gibt.

Ein Klient in der Bühnengarderobe des Kulturzentrums Haus Wichern. Ein improvisierter Behandlungsraum, während es nebenan Essen in der Suppenküche gibt. Foto: Andreas Hub

Andreas Hub & »Doc« Martin Müller

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In Deutschland leben ca. 100.000 Menschen ohne Krankenversicherung: Menschen ohne Wohnung, Junkies, Prostituierte, aus Südosteuropa zugewandert, in der Illegalität lebend. Viele sind akut oder chronisch krank, bekommen aber keine medizinische Hilfe, gelten als »nicht praxiskompatibel«.

Von 2009 bis 2014 leistete der Arzt »Doc« Martin Müller Hilfe: anonym, kostenlos, ohne Ansehen der Person, ohne Wertung. An zehn Orten in der Dortmunder Nordstadt behandelte er seine Patienten: im Café Berta, in der Beratungsstelle für Wohnungslose, in der Methadon-Ambulanz, im Nordmarkt-Kiosk, in der Suppenküche, der Männerübernachtungsstelle Unionstraße oder im Streetwork-Café Leopoldstraße.

Andreas Hub hatte in einer Vorweihnachtsausgabe der Westfälischen Rundschau die Geschichte von dem Dortmunder Arzt gelesen, der den Wohnungslosen hilft. Er rief diesen an und erklärte, dass er ihn für einige Monate bei seiner Arbeit begleiten wolle. »Die Stimme am anderen Ende des Telefons klang unaufgeregt, nicht enthusiastisch, aber auch nicht von vornherein ablehnend«, erinnert sich Andreas Hub. So verabredet man sich zu einem Treffen in »Docs« Büro in der Methadon-Ambulanz.

Behandlungsgespräch im Café Berta – nicht immer nur trist.

Behandlungsgespräch im Café Berta – nicht immer nur trist. Foto: Andreas Hub

Die erste Begegnung schildert der Fotojournalist so: »Drinnen roch es nach starkem Kaffee und selbstgedrehten Zigaretten, ein Geruch, der mich von nun an begleiten würde. An der Wand hing eine Collage mit Hunderten von kleinen Porträtfotos, die er im Laufe der Jahre von Menschen gemacht hatte, die er behandelte. Klienten, sagte er – nie: Patienten. Umgekehrt nannten sie ihn immer nur ›Doc‹, in einer Mischung aus Respekt und Kumpelhaftigkeit. Einige Tage später fing ich an. Mit etwas mulmigem Gefühl, ob sich die Menschen von einem vollkommen Fremden überhaupt fotografieren lassen würden. Diese Sorge legte sich schnell. Nur zwei- oder dreimal lehnte jemand ab: ein Junkie, der aus einer anderen Stadt kam, und dort eine bürgerliche Existenz mit Arbeitsplatz und fester Wohnung führte und auf keinen Fall erkannt werden wollte, ein anderes Mal, gleich zu Anfang, geriet ich in ein ›Verkaufsgespräch‹. Die allermeisten dagegen zeigten großes Interesse, ihre Geschichte zu erzählen und auch veröffentlicht zu sehen.«

Der Fotojournalist und Autor Andreas Hub begleitete »Doc« Müller im letzten Jahr vor dessen Ruhestand. Die Reportage wurde bereits mehrfach veröffentlicht und ins »Pixelprojekt_Ruhrgebiet« aufgenommen.

Im Depot in Dortmund werden erstmals die Bilder der Reportage und eine Auswahl der ausdrucksstarken Schwarzweiß-Porträts von Martin Müller gemeinsam ausgestellt.

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Fotoausstellung von Andreas Hub und »Doc« Martin Müller

Depot e.V.
Immermannstraße 29
44147 Dortmund
http://www.depotdortmund.de

Vernissage am Freitag, 14. August 2015 um 19.00 Uhr

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Samstag: 17.00 – 20.00 Uhr
Sonntag: 11.00 – 18.00 Uhr
Sondertermin am 22.08.2015 von 15.00 bis 20.00 Uhr im Rahmen des Hafenspaziergangs
Eintritt frei