7. September bis 26. September 2015

Plemetina, Kosovo, 2011.

Plemetina, Kosovo, 2011. Foto: Annette Hauschild

Annette Hauschild

Hit the Road Jack

Es gibt keinen Ort, der aufscheint, wenn wir an Roma denken. Immer noch umgibt sie der Mythos des fahrenden Volkes, das frei und ungebunden von Stadt zu Stadt zieht. Wir ahnen aber auch, dass eine traurige Ironie dahinter steht, wenn Roma in der U-Bahn »Hit The Road Jack« singen, weil die Zeilen viel zu oft ihre eigene Erfahrung widerspiegeln.

Was die Begriffe »Heimat« oder »zu Hause« heute tatsächlich für Roma bedeuten, darüber wissen wir wenig. Diese Leerstelle füllt Annette Hauschild mit ihren Bildern. Unserem von Distanz und Klischees geprägten Blick auf Roma setzt sie nuancierte Einblicke in ihr Leben entgegen.

Annette Hauschild ist durch Europa gefahren, immer dorthin, wo sich die aktuelle Situation für einige Roma zugespitzt hat, wo Prinzipien von Exklusion und Vertreibung gegenwärtig waren. Die Orte, die sie beschreibt sind Transitzonen. Sie sind vom Ankommen oder bald wieder gehen müssen bestimmt, paradoxerweise aber oft auch vom eingesperrt sein. Es sind umzäunte Containersiedlungen, Wohnblöcke hinter Mauern, Asylheime oder von Räumung bedrohte Camps.

Kefaet Prizremi, abgeschoben aus Essen, lebt seit knapp zwei Jahren in Plemetina, Kosovo, 2011.

Kefaet Prizremi, abgeschoben aus Essen, lebt seit knapp zwei Jahren in Plemetina, Kosovo, 2011. Foto: Annette Hauschild

Viele der porträtierten Roma haben immer noch mit den Folgen des Jugoslawienkriegs zu kämpfen. Sie oder ihre Eltern verloren mit dem Ende der sozialistischen Planwirtschaft eine einigermaßen gesicherte Stellung oder wurden der Kollaboration mit der jeweils gegnerischen Volksgruppe beschuldigt. Nach einigen Jahren Duldung im Ausland wurden sie zurückgeschickt – in Länder, in denen man keinen Platz für sie bereithält. Andere leben mit rassistischen Anfeindungen oder der seit der Wirtschaftskrise noch verschärften Armut und Perspektivlosigkeit. 
Gemeinsam ist den meisten, dass in ihren Träumen das Umherziehen keine Rolle spielt, ihre Realität aber von Vertreibung und Flucht geprägt ist.

Annette Hauschild spannt einen weiten Bogen, sie war in Ungarn, Italien, Kosovo, Bulgarien, Deutschland, Rumänien und in der Slowakei. Zusammengesetzt ergeben ihre Momentaufnahmen ein Bild von einem Leben mit stets gepackten Koffern.

Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden
Karl-Liebknecht-Straße 56
01109 Dresden

http://www.hellerau.org/hauschild

Öffnungszeiten
an Veranstaltungstagen ab 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag ab 14.00 Uhr

Eintritt frei

Montag, 7. September 2015, 18.00 Uhr
Vernissage mit Lesung
Lesung mit der Romanautorin Anke Stelling aus ihrem literarischen Essay, das nach einer gemeinsamen Recherchereise mit Annette Hauschild entstanden ist.

Samstag, 26. September 2015, 18.00 Uhr
Führung durch die Ausstellung
Rundgang mit Annette Hauschild und Kefaet Prizreni, einem der Porträtierten. Im Gespräch sollen sowohl Fremd-, als auch Eigenwahrnehmung der Porträtierten thematisiert werden.

Samstag, 26. September 2015, 22.00 Uhr
Konzert
Ein Hip-Hop Konzert des jungen Rom Kefaet Prizreni rundet den Abend ab.