20. September 2015 bis 14. August 2016

Syrien: Heimat verlassen.

Syrien: Heimat verlassen. Foto: Niclas Hammarström

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Menschenskinder. Kinderleben zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Von der Stilisierung zur heiligen Familie bis zur oftmals traurigen Realität von Kindern rund um den Globus: In den Gemälden Alter Meister wie in aktuellen Fotografien findet sich das ganze Spektrum von Kindsein wieder. Dass das Wohl der Kinder ein kostbares Gut ist, ist eine historisch gewachsene Idee. Diese stand immer unter den verschiedensten geopolitischen und sozio-kulturellen Vorzeichen – und ist bis heute eine Aufgabe und Herausforderung geblieben, der die Menschheit nicht immer gewachsen scheint. Diesem Thema widmet sich nun das Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

»Die Rue du Mont-Cenis auf dem Montmartre« von Stanislas Lepine. Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF.

»Die Rue du Mont-Cenis auf dem Montmartre« von Stanislas Lepine. Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF. Foto: Ars Servandi, B. Grober

Am 20. September eröffnete die Kultur- und Bildungsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Vera Reiß, eine einzigartige Ausstellung, die 33 historische Kinderdarstellungen aus der Sammlung Rau für UNICEF in Beziehung setzt zu 31 prämierten Fotografien der Gegenwart – und somit einen differenzierten Einblick gibt in Wunsch und Wirklichkeit kindlicher Lebenswelten zu den verschiedensten Zeiten. Diese Ausstellung veranschaulicht mit künstlerischen Mitteln das Recht eines jeden Kindes auf eine Kindheit, die diesen Namen verdient.

Kinder waren es auch, die dem Kunstsammler und Philanthropen Dr. Gustav Rau besonders am Herzen lagen – gerade auch während seiner Zeit als Tropen- und Kinderarzt in der Demokratischen Republik Kongo. Dies spiegelt sich in den Gemälden und Skulpturen seiner hochkarätigen Sammlung wider, die dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck als Dauerleihgabe bis 2026 mit erstklassigen wechselnden Ausstellungen zur Verfügung steht. In der 10. Ausstellung der Kunstkammer Rau im Arp Museum Bahnhof Rolandseck werden diese Werke nun in einem Dialog mit Fotografien aus dem internationalen Wettbewerb »UNICEF-Foto des Jahres« präsentiert.

Syrien: Kinder zwischen allen Fronten.

Syrien: Kinder zwischen allen Fronten. Foto: Alessio Romenzi/Corbis

Joshua Reynolds »Porträt von Rebecca Watson, 1758«. Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF.

Joshua Reynolds »Porträt von Rebecca Watson, 1758«. Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF. Foto: Peter Schälchli, Zürich

In spannungsvollen Bildpaaren treffen Gemälde von Künstlern wie August Macke, Joshua Reynolds oder Giandomenico Tiepolo auf fotografische Kinderporträts unserer Zeit. Die ausgewählten Aufnahmen namhafter Fotografinnen und Fotografen wie Chris de Bode, Niclas Hammarström, Laura Boushnak oder An-Sofie Kesteleyn waren in den letzten Jahren als UNICEF-Foto des Jahres nominiert. Die Fotografien wie die Gemälde zeigen Alltagssituationen von Kindern unterschiedlichster Herkunft in Vergangenheit und Gegenwart. In den Dialogen wie in der Zusammenschau ergeben sich dabei facettenreiche Einblicke in sozial und politisch bedingte Lebensumstände, gesellschaftliche Konventionen und Rollenbilder, aber auch Sehnsüchte, Träume und Chancen von Kindern. So sind es wieder einmal die Lebensbedingungen junger und jüngster Menschen, die anschaulich und eindrucksvoll Zeugnis geben vom Gesamtzustand unserer Welt.

Kindheit ist eine Zeit der Träume wie Traumata: Was Menschen in ihrer Kindheit erfahren, prägt sie für ihr ganzes Leben – und oft auch das Leben in ihrer Gesellschaft. »Die Geschichte der Kindheit ist ein Albtraum, aus dem wir erst im zwanzigsten Jahrhundert erwacht sind. Kindstötung, Verstümmelung, sexueller Missbrauch und alle nur denkbaren Formen der Gewalt und Missachtung waren integraler Bestandteil vormoderner Gesellschaften, die den Rohstoff Kind vernutzten wie wir heute die Natur.« So engagiert schreibt der Soziologe Martin Dornes im Katalog. Und dennoch sind es gerade die Kinder und Jugendlichen, die gleichzeitig die Hoffnungsträger einer Gesellschaft sind.

Diese Ausstellung setzt dort an, wo Gesellschaft beginnt: bei der Familie und ihren Kindern. Sie legt offen, was Kinder und Jugendliche aus Geschichte und Gegenwart trennt und was sie eint. Und bisweilen gelingt es einem Maler, Bildhauer oder Fotografen sogar ihre Seele zu erfassen, ihre Wünsche und Ängste, ihr Glück und ihr Leid. Kindheit war und ist fortwährend im Wandel begriffen. Die Ausstellung setzt es sich zur Aufgabe, diesen Wandel zu dokumentieren.

Arp Museum Bahhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
53424 Remagen

http://arpmuseum.org

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt
9 Euro (ermäßigt 7 Euro), nur Bahnhof Rolandseck 4 Euro (ermäßigt 2 Euro)